Pascal Garniers Variante von Sartres »Die Hölle, das sind die anderen« – Platz 5 der zehn besten Krimis für den Sommer 2026. Foto: Raphaël Gaillarde/Gamma
Odette ist schockiert. Monsieur Flesh, der Hausmeister, erschlägt eine streunende Katze mit der Schaufel. Hätte er das auch mit einem Menschen gemacht? Odette und Martial waren die ersten in der vermeintlich perfekten Seniorenwohnanlage, in der sie sich laut Makler rundum beschützt und sicher fühlen sollten. Nach der Langeweile des winterlichen Regens ist endlich ein weiteres Paar eingezogen, Maxime und Marlène – älter, als sie sich geben! –, dann die alleinstehende Léa – eine Lesbe? – und die kiffende Entertainerin Nadine, die bisher nur mit Kindern gearbeitet hat. Man macht sich bekannt, lädt ein, freundet sich an. Dann schlagen Roma ihr Lager direkt neben der Kreuzung auf. Monsieur Flesh warnt eindringlich vor den Fremden. Und Maxime hat einen Revolver …
Pascal Garnier verließ als Teenager die Schule, reiste durch die Welt, versuchte sich als Rockmusiker, begann mit 35 Jahren zu schreiben. Als er 2010, kaum über 60, stirbt, schreibt seine Verlegerin über ihn: »Viel Poesie, ein ziemlich vernichtender schwarzer Humor, ohne Zynismen.« Das alles findet sich in »Mond gefangen in einem toten Auge«, dem sechsten Band des Gesamtwerks, dem sich der Wiener Verlag Septime seit 2023 in hervorragenden Übersetzungen widmet. Der oft gezogene Vergleich mit Simenon sei hier nicht weiter ausgeführt: Simenon war kein Menschenfreund. Pascal Garnier, auch wenn er seine Protagonist/innen in den Abgrund stürzt, hat Verständnis für sie. Perfekter Noir!
Die besten Krimis für den Sommer 2026:
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Pascal Garnier
Mond gefangen in einem toten Auge
Ü: Michael von Killisch-Horn
Septime Suspense, 132 S.
