»El Dorado Drive« ist mehr Abenteuer als Krimi – und vielleicht gerade deshalb so spannend. Unser Platz 6 der zehn besten Krimis für den Sommer 2026. Foto: Bob Sala.


Die US-amerikanische Schriftstellerin Megan Abbott, Jahrgang 1971, promovierte in anglo-amerikanischer Literatur an der New York University – diesen akademischen Hintergrund können Leserinnen und Leser in »El Dorado Drive« spüren. Denn Abbott bricht mit den Erwartungen und der typischen Erzählform des Krimis. Sie hat sichtlich Spaß dabei, ihr Publikum zu necken: »Alles war im Gange. Sie wusste nur noch nicht, was.«

Die Geschichte ist im Grunde schnell erzählt: Drei Schwestern treten aus Geldnot einem Club bei, »The Wheel«. Neuankömmlinge müssen tausende Dollar für den Beitritt zahlen, erhalten jedoch selbst wieder Geld, wenn sie neue Mitglieder anwerben. Doch plötzlich wird eine der Schwestern, Pam, nervös und vergräbt ihr Geld im Garten. Am nächsten Tag wird sie tot in der Küche gefunden.

Dass Pam im Laufe der Geschichte sterben wird, kündigt die Autorin bereits am Anfang an, doch müssen sich die Leser/innen durch 230 Seiten arbeiten, bevor es so weit ist. Danach ermittelt die Polizei, aber auch die Schwestern suchen den Mörder. Oder die Mörderin? Denn das Schneeballsystem des Clubs bietet Anreize für weitere Morde.

Abbott nutzt die Vorgeschichte, um Fährten zu legen. Die Kunst dieser Geschichte liegt in dem Bruch mit der genretypischen Erzählform: Eine Leiche wird gefunden, der Kommissar kommt zum Tatort, ermittelt und fängt den Mörder. Wer viele Krimis liest, wird sich über »El Dorado Drive« freuen, weil er zwar demselben Prinzip folgt – nur in einem anderen Gewand.

Megan Abbott
El Dorado Drive
Ü: Peter Hammans
Pulp Master, 440 S.