Urlaubsflair zwischen zwei Buchdeckeln: Von der Kunst, italienisch zu leben. Foto: Lucy Laucht.

Aus: Buchkultur 226, Juni 2026.


Tanja Dusy und Klaus Maria Einwanger zeigen in ihrem Bilder- und Rezeptband, dass die »Aperitivo-Kultur« Italiens historisch verwurzelt und kulinarisch ausgefeilt ist – ob Campari, Negroni, Vermouth oder Aperol. Die Neuerscheinung versammelt Rezepte für kultige Drinks und traditionelle Happen, ergänzt durch eine Einführung in gastronomische Bräuche und ihre Geschichte. Die Entdeckungsreise führt von Mailands »Navigli« über Turins Kaffeehauskultur und Venedigs Weinschenken bis nach Padua, der Geburtsstätte des Aperols – und macht dabei deutlich, wie tief der tägliche Aperitif im norditalienischen Alltagsleben verwurzelt ist.

Während im Norden Italiens der »Aperitivo« das hektische Städtetreiben entschleunigt, nimmt man sich auf Sardinien von Natur aus mehr Zeit. In den sogenannten »Blue Zones«, jenen Gegenden mit auffällig vielen Hundertjährigen, sucht man keinen Jungbrunnen und kein Geheimrezept für Langlebigkeit. Geraldine Voss nähert sich diesen Orten mit Neugier und ohne falsche Mystik: Was sie vorfindet, sind keine außergewöhnlichen Rituale, sondern gelebte Selbstverständlichkeiten – Familie, Freundschaft, gutes Essen, Natur und Tradition. Ob das ein langes Leben garantiert, bleibt offen; dass es ein gutes ermöglicht, daran lässt das Buch wenig Zweifel.

In »Aperitivo« gibt es die schönsten Ideen für Sundowner, so wie hier in Venedig. Foto: Klaus Maria Einwanger

Eric Pfeil, italophil von Kindesbeinen an, hat ein verklärtes Bild von Italien – das gibt er selbst offen zu. Sein »Kunst-Italien« ist in Wahrheit eher ein Paralleluniversum, in dem »Schriftstellerinnen und Filmstars in mondänen Bars einträchtig ihren aperitivo schlürften«, und mit diesem Bild ist er garantiert nicht der einzige unter den Italienreisefreudigen. Er diagnostiziert sich selbst verschmitzt das Italienfieber und hat auch schon eine Idee, wie man es behandelt: Gemeinsam mit seiner Frau erstellt er eine Karte der etwas anderen Art, auf der die beiden sagenumwobene Filmsets, Geburtshäuser, wichtige Film-Schauplätze sowie Lieblingsrestaurants der von ihnen verehrten Schönen und Kreativen verzeichnen. Ein bisschen irrsinnig? Vielleicht, aber vor allem einfach sehr unterhaltsam, diesem speziellen Reisebericht zu folgen.

Alle Italien-Klischees werden hier alleine im Titel bedient: »Dolce far niente« von der britischen Lifestyle-Fotografin Lucy Laucht. Sie war immer schon fasziniert vom Phänomen Strand: Pures Chaos, Menschengewimmel, aber auch ultimative Ruhe und Naturverbundenheit – hier kann einem alles begegnen. Und wie geht das nun eigentlich mit diesem süßen Nichtstun? Laucht begab sich auf eine fotografische Reise rund um Neapel, die Äolischen Inseln, Ischia, die Amalfiküste, Sizilien, Apulien und die Ägadischen Inseln. Und eigentlich ist das auch schon alles, was sie möchte: Die Nostalgie entfachen und den italienischen Sommer in unsere Herzen bringen, wenn er vielleicht gerade nicht greifbar nah ist. Hübsch, zum immer wieder Durchblättern.

Wenn sich jemand auskennt mit Italien und seiner Literatur, dann Maike Albath. Nachdem ihr Neapel-Buch »Bitteres Blau« letztes Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, beschäftigt sie sich diesmal – literarisch – mit der Trend-Insel Sizilien. Gemeinsam mit ihr und Giuseppe Tomasi di Lampedusas »Der Leopard« betreten wir die Insel und durchstreifen Palermo auf dessen Spuren, weitere Schriftsteller und Städte folgen, wir tauchen abwechselnd in Inselgeschichte und Literaturgeschichte ein. Ein Buch, herrlich sehnsüchtig und voller Italianità.

Tanja Dusy, Klaus Maria Einwanger
Aperitivo
Gräfe und Unzer, 240 S.

Geraldine Voss
Insel der Hundertjährigen. Warum Sardinien glücklich macht oder das Geheimnis eines langen Lebens
Gräfe und Unzer, 192 S.

Eric Pfeil
Hotel Celentano
Kiepenheuer & Witsch, 320 S.

Lucy Laucht
Dolce far niente. Der ewige Sommer Italiens
Midas Collection, 272 S.

Maike Albath
Trauer und Licht. Lampedusa, Sciascia, Camilleri und die Literatur Siziliens
Wagenbach, 336 S.