Wahnwitz, Gewalt, Politik – Jérôme Leroys »Die kleine Faschistin« trifft Frankreich punktgenau ins Herz: Platz 4 der zehn besten Krimis für den Sommer 2026. Foto: Pascal Ito.
Die Französische Republik bricht gerade zusammen, »der Verrückte« im Élysée wird immer bizarrer. Irgendwo in Nordfrankreich macht die kleine Faschistin Francesca Crommelynck eine wundersame Wandlung durch. Eigentlich steht sie der extremen Rechten nahe, ist auf Krawall gebürstet und gewaltaffin, und liest gerne Schriften von ultrarechten »Denkern«. Allerdings wird sie nachdenklich, als sie herausbekommt, dass ihr über alles geliebter Bruder (ein brutaler Psychopath mit inzestuöser Neigung) ihre Jugendliebe umgebracht hat. Während der links-liberale Lokalpolitiker Patrick Bonneval darüber grübelt, ob er nochmal für den Wahlkreis kandidieren soll, in dem der »Patriotische Block« die Mehrheit zu ergattern droht, wird er von der »Tarantel«, einer einflussreichen politischen Strippenzieherin, bezirzt, die ihn zum neuen Präsidenten machen möchte. Aber sie fällt einem Auftragskiller zum Opfer, der zwar nett ist, aber auch schrecklich dumm. Weshalb er auf der Suche nach Bonneval eine Menge Leute niedermetzelt, bevor er selbst ziemlich unheroisch »erlegt« wird. Dieses Kapitel, das die Untaten dieses Killers schildert, ist großartige Erzählkunst – ökonomisch, scharfsinnig und sehr komisch. Leroy vom Feinsten. Inmitten des ganzen Irrsinns, den ich hier nur andeuten kann, verlieben sich die kleine Faschistin und Bonneval. Während alles in Dummheit, Gewalt und Niedertracht versinkt, hilft nur eines: Liebe!
Und so ist »Die kleine Faschistin« ein schöner, gemeiner Liebesroman.
Die besten Krimis für den Sommer 2026:
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Jérôme Leroy
Die kleine Faschistin
Ü: Cornelia Wend
Edition Nautilus, 152 S.
