Ken Jaworowskis Noir »What about the bodies« ist in einem phänomenal düsteren Pennsylvania angesiedelt: Platz 3 der zehn besten Krimis für den Sommer 2026. Foto: Candance diCarlo.
Locksburg, Pennsylvania. Drei Leben, die in dieser armen Kleinstadt final kollidieren.
Carla hat mit über 40 beschlossen, ihr Leben umzukrempeln und sich mit einem Restaurant selbstständig zu machen. Ihren Sohn Billy hat sie allein großgezogen – ein sensibler, hochintelligenter Junge, der in der Schule wegen seines ausgeprägten Stotterns gehänselt wurde. Seine Begabung hat ihm schließlich ein Vollstipendium am Massachusetts Institute of Technology eingetragen, und nun hilft er der Mutter beim Umbau einer alten Scheune zum Gastronomiebetrieb. Dabei gesteht er ihr, dass er eine junge Frau in ihrem Garten begraben hat. Seit einem Jahr beschäftigt dieser aufsehenerregende Vermisstenfall Presse und Städtchen gleichermaßen. Billy schildert, was geschehen war: Nach einer Party hätten er und Doreen gemeinsam Drogen genommen – für ihn das erste Mal Heroin. Nach Stunden der Bewusstlosigkeit sei er erwacht und habe Doreen neben sich gefunden, tot. In rasender Panik – denn eine Meldung bei der Polizei hätte ihm eine Anklage wegen Drogenbesitzes eingebracht und damit Stipendium, Studienplatz und Zukunft gekostet – schleppte er sie in den Garten, hinter das abgelegene Haus seiner Mutter, und begrub sie heimlich im vormaligen Fischteich, den er anschließend auffüllte.
Reed ist Anfang 20, arbeitet als Teilzeit-Hilfskraft in einem Supermarkt und kämpft mit den kognitiven Einschränkungen eines ausgeprägten Autismus – und er soll seine Mutter ermordet haben. So behauptet es zumindest sein Bruder, der vor einem Jahr von seiner Frau verlassen wurde. Dieser hat nun den letzten Wunsch der Mutter übergangen: Eine Puppe, die Reed ihr einst selbst angefertigt hatte, mit ihr zu begraben. Reed will das nachholen – um jeden Preis. Er weiß schließlich, wo ihre sterblichen Überreste ruhen.
Liz schlägt sich als Alternative-Country-Musikerin durch. Nach erfolglosen Jahren in Philadelphia und auf der Straße ist sie in ihr Heimatstädtchen Locksburg zurückgekehrt, wo sie feststellen muss, dass ihr verwitweter Vater wieder geheiratet hat. Bei ersten Anzeichen von Demenz verfrachtete ihn seine neue Frau in ein Pflegeheim und genießt, dank Ehevertrag, unbehelligt seinen Reichtum. Liz jobbt als Rezeptionistin an der Highschool, doch ihre Schulden übersteigen ihr Hab und Gut bei weitem – vor allem wegen eines klapprigen Autos, das dringend repariert werden muss. Den Mechaniker, einen bedrohlichen Ex-Häftling, kann sie nicht bezahlen. Kurz bevor sie ihre Lieblingsgitarre verpfändet, um die Rechnung zu begleichen, klingelt ihr Telefon: eine Musikproduzentin aus Nashville. Den Mechaniker kann sie trotzdem noch immer nicht bezahlen. Das hat Folgen …
Ken Jaworowski, in Philadelphia aufgewachsen, einst Amateurboxer, heute Redakteur der NEW YORK TIMES, veröffentlichte vor »What about the bodies« bereits einen Kriminalroman mit dem Titel »Small Town Sins«. Ebenfalls im heruntergekommenen Rust Belt, dem Ex-Industriegürtel der USA, angesiedelt, verflocht er darin drei Leben, die zu Schicksalen wurden. In seinem Zweitling mit punkt- und jab-genauer Prosa macht er Ähnliches, nur noch dunkler und unausweichlicher. Denn am Ende kollidieren die parallel geführten Erzählstränge in einer fatalen Karambolage.
Die besten Krimis für den Sommer 2026:
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Ken Jaworowski
What about the bodies
Ü: Lea Dunkel
Pendragon, 320 S.
