Zwischen Riga, Los Angeles und Moskau: Michael Idov hat einen klugen Polit-Thriller geschrieben. Unser Platz 2 der zehn besten Krimis für den Sommer 2026. Foto: Ilya Popenko.
Der Romancier, Regisseur, Drehbuchautor und Journalist Michael Idov ist in Lettland geboren, wuchs in Riga unter sowjetischer Besatzung auf und zog nach seinem Abschluss an der University of Michigan nach New York. Mittlerweile amerikanischer Staatsbürger, veröffentlichte er erste Reportagen beim NEW YORK MAGAZINE und wurde mit drei National Magazine Awards ausgezeichnet. Zu seinem Œuvre zählen nicht nur temporeiche Thriller wie »Das Riga-Komplott«, der erste Band der Cormorant-Trilogie, er legt auch in anderen Genres Bemerkenswertes vor: So erschien etwa 2011 der Band »Made in Russia: Unsung Icons of Soviet Design«, in dem er als Herausgeber eine Essay-Sammlung zusammengestellt hat, die sich vergessener Errungenschaften der sowjetischen Kultur, Wissenschaft und Technologie anhand von 50 Beispielen widmet. 2018 veröffentlichte Michael Idov »Dressed Up for a Riot: Misadventures in Putin’s Moscow«, eine kritische, illusionslose Auseinandersetzung mit der Funktionsweise des russischen Medienapparats und seiner Verbindung zur Politik – gesammelt hat Idov Erfahrungen, persönliche Anekdoten und satirische Querverweise aus seiner Zeit als Herausgeber von GQ RUSSIA. Nicht unerwähnt, wegen des charmanten und witzigen Ansatzes, soll auch sein Debüt »Ground Up« (2009) bleiben: Es basiert ebenfalls auf Idovs eigener Erfahrung, der sich als Cafetier in Manhattan versuchte – allerdings, seinen Aussagen zufolge, »short-lived«. Hier erzählt der Autor auf satirische Weise vom so chaotischen wie rührenden Versuch eines jungen Paares, ein »typisches Wiener Café« zu etablieren, inmitten der gentrifizierten Lower East Side, eingekeilt zwischen Mietverträgen, mangelnder Kundschaft und der unmittelbaren Konkurrenz durch eine Kaffeehauskette. Das Projekt endet im finanziellen Desaster und mit ernsthaften Beziehungsproblemen.
Beziehungen können auch als Stichwort für die temporeiche Story von »Das Riga-Komplott« gelten, auch wenn das nicht unbedingt die erste Assoziation in Sachen Thriller sein mag. Allerdings – und so weit darf der Spoiler um die Ecke lugen: Michael Idov steht in seiner Action-Literatur für »Blending suspense, wit, and authentic storytelling, it’s a must-read for fans of political intrigue, espionage, and thrillers that don’t play by the rules.« So lautete ein Kommentar zu Band 2 der Cormorant-Trilogie (»The Cormorant Hunt«). Angelegt ist dieses Konzept bereits in Band 1, dem »Riga-Komplott«: Zwar kann sich Ari Falk in seiner Position als Leiter der CIA-Abteilung in Riga kaum Sentimentalitäten erlauben, aber als das CIA-Büro dort überfallen wird und Aris Mitarbeiter/innen ums Leben kommen, muss er flüchten. Zu den Ermordeten zählt auch Inga, für die Ari heimlich mehr als nur kollegiale Sympathie empfunden hat. Seine Route führt ihn bis nach Tanger, wo er auf Maya Chou trifft. Sie ist auf der Suche nach ihrem Vater, einem russisch-amerikanischen Multimillionär, der mitsamt seinem Geld spurlos verschwunden ist. An den angeblichen Suizid glaubt Maya nicht. Während sich die Ereignisse verdichten und verknüpfen, müssen sich Ari und Maya über ihr Verhältnis zueinander klar werden, was nicht einfach ist, wenn man von Verrat, Gier, Skrupellosigkeit und alten (postsowjetischen) Verstrickungen umgeben ist. Idov bietet eine schöne Lösung an.
Die besten Krimis für den Sommer 2026:
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Michael Idov
Das Riga-Komplott
Ü: Stefan Lux
Suhrkamp, 328 S.
