Die besten Krimis der Saison 2020:

Jérôme Leroy, „Der Schutzengel“ (Edition Nautilus),
Übers. v. Cornelia Wend, 352 S.

Platz 5

In seinem Politthriller zeigt Jérôme Leroy das Versagen und die Heuchelei der französischen Politik, eine Welt voller Sadisten, Machthungrigen und Geldgierigen, die heutigen Mechanismen der Macht. Foto: Hacquard et Loison/Opal.


Der Job ist nicht mehr das, was er war: blutig, aber straight. Berthet ist – richtiger: war – schließlich der Mann fürs Grobe, der Liquidierungen bisher ohne Wimpernzucken ausgeführte, ein Eliteagent, der nur eine offensichtliche Schwäche hat: Gedichte. Und eine verborgene: Bis jetzt hielt er unerkannt seine schützende Hand über eine hochbegabte schwarze Jugendliche aus der Banlieue, Kardiatou Diop, die es bis zur Staatssekretärin geschafft hat. Berthet spürt, dass diesmal er auf einer Abschussliste steht, aber noch ist seine Zeit nicht abgelaufen. Als Lebensversicherung könnten ihm die Aufzeichnung aller bisherigen Aufträge dienen, die er von der Unité, eine dem Innenministerium unterstehende Geheimorganisation und inzwischen ein Staat im Staat, erhalten hat. Es dämmert ihm nämlich, dass deren nächstes Attentat Kardiatou gelten soll, und es wäre nur allzu bequem und glaubhaft, die Tat den Rechten anzuhängen. Autor des brisanten Textes soll Joubert sein, ehemaliger Lehrer, Verfasser erfolgloser Romane und jetzt frustrierter Krimischriftsteller und Pornoschreiber – ihre Wege haben sich schon gekreuzt, Berthet vertraut ihm, schätzt seine Bücher. Showdown ...

Leroys Thriller ist nicht nur eine, wie er es selbst formuliert, „schöne, wenn auch paradoxe Liebesgeschichte“, sondern auch eine scharfe Kritik an der französischen Politik, insbesondere der unentschlossenen Haltung der Linken, die erst ein Erstarken der nationalistischen Kräfte möglich gemacht hat.


Die besten Krimis der Saison 2020:
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