Leïla Slimani schließt ihre Romantrilogie über die Geschichte ihrer Familie und die Marokkos ab: »Trag das Feuer weiter«.
Als die Schriftstellerin Mia wegen »Gehirnnebels« nicht mehr in der Lage ist, ihren Beruf auszuüben, reist sie auf Anraten ihres Therapeuten in ihr Geburtsland Marokko, das sie als junge Frau für Frankreich verließ. In Paris konnte und kann Mia ihre Liebe zu Frauen frei ausleben. Doch auch Geld und Partys vermochten nie darüber hinwegzutäuschen, dass Mia und ihre Schwester Inès weder hier noch dort jemals ganz dazugehör(t)en. Schon als Kind begriff Mia, dass sie zwischen zwei Welten lebte. Als Student war ihr Vater ein überzeugter Linker, was während der repressiven »bleiernen Jahre« in Marokko lebensgefährlich war, und träumte davon, Schriftsteller zu werden. Dann machte er Karriere im Bankwesen, doch innerlich blieb er zerrissen. Als man ihn später infolge einer Intrige inhaftierte, brach auch Mias Leben in zwei Hälften und sie begann zu schreiben – die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani arbeitet hier Schmerzhaftes aus der eigenen Familiengeschichte auf: Auch ihr Vater kam zu Unrecht ins Gefängnis. Er wurde posthum von allen Anklagepunkten freigesprochen. Doch »es bringt nichts, unschuldig zu sein, wenn man tot ist. Unschuld existiert nur in Büchern.«
Wo sind wir zuhause? Wer sind wir ohne unsere Erinnerungen? Was ist unser Erbe und wie gehen wir damit um? Zwischen Tradition und Moderne, Zwang und Freiheit, Integration und Integrität: »Trag das Feuer weiter« gab der Vater Mia einst mit auf den Weg in ein freieres, selbstbestimmtes Leben, das er sich für seine Töchter wünschte. Ein Vermächtnis, das Leïla Slimani vielstimmig und bewegend fortführt.
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Leïla Slimani
Trag das Feuer weiter
Ü: Amelie Thoma
Luchterhand, 448 S
