Katharina Höftmanns Roman »Ozean« ist ein Epochenpanorama: Eine tiefe Frauenfreundschaft, die den dunkelsten Stürmen der Geschichte trotzt. Foto: Dana Lavie
Die Geschichte nimmt im Frühling 1932 in einer brandenburgischen Provinzstadt ihren Anfang, als zwei gegensätzliche Welten aufeinanderprallen: Hier kreuzen sich die Wege des jungen, aus prekären Verhältnissen stammenden Dienstmädchens Friedchen und der privilegierten, jüdischen angehenden Medizinerin Paula Levin. Höftmann inszeniert diese Begegnung nicht nur als Kollision zweier Lebenswelten, sondern als Schutzraum gegen die aufziehende Dunkelheit des Nationalsozialismus.
Die Klassendiskrepanz wird durch eine geistige Verwandtschaft nivelliert, während sich der Roman unweigerlich verdüstert. Die Geschichte spannt sich vom flirrenden Berlin der späten Weimarer Republik über die Verfolgung und das Londoner Exil bis hin zur Gegenwart in den Kibbuzim Israels im Oktober 2023.
Der Erzählduktus ist dabei von einer unprätentiösen, aber stets mitreißenden Dringlichkeit geprägt. Höftmann gelingt es, die großen historischen Verwerfungen – Vertreibung, Überleben im Konzentrationslager und den Wiederaufbau zerstörter Existenzen – stets an das emotionale Koordinatensystem ihrer Protagonistinnen rückzukoppeln.
»Ozean« ist weniger ein konventioneller historischer Roman als vielmehr eine flammende Hommage an die Resilienz. Ein berührendes Zeugnis darüber, wie Menschen den Widrigkeiten der Zeit trotzen, indem sie einander zum Anker werden.
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Katharina Höftmann
Ozean
Diogenes, 336 S.

