Hans Pleschinskis »Bildnis«: Liebe, Verlust und Münchens schwule Jahre. Foto: Christoph Mukherjee


Der Autor, Herausgeber und Übersetzer Hans Pleschinski, Jahrgang 1956, veröffentlicht seit Mitte der Achtzigerjahre Bücher unterschiedlicher Genres. Mit »Königsallee« (2013) gelang ihm der Durchbruch, doch »Bildnis eines Unsichtbaren« (2002), nun neu aufgelegt, ist sein persönlichstes Werk.

Ich-Erzähler Hans blickt auf seinen 17 Jahre älteren Lebensgefährten Volker zurück, der 2000 an den Folgen von AIDS stirbt. Statt Leidensprosa entwirft Pleschinski ein insistierendes Erinnern an das Leben davor – an die Münchner Siebziger- und Achtzigerjahre, Begegnungen in der Gaysauna, eine Liebe, die Distanz braucht und Nähe schafft. Volker, Galerist und Netzwerker, Hans, angehender Schriftsteller: zwei Existenzen, die sich ästhetisch wie existenziell durchdringen. Erst durch Tagebücher wird sichtbar, was verschwiegen wurde, etwa, dass er HIV-positiv war. Pleschinski montiert Erinnerung und literarische Splitter zu einem Text, der sich linearer Trauerarbeit entzieht. Humorvolle, oft glänzende Dialoge bringen Leichtigkeit; zugleich tragen Stil und Haltung barocke Züge, gespickt mit Bonmots: »Seine Stimme war meine Heimat.«

So wird AIDS zur historischen Zäsur: Die Leichtigkeit der frühen Jahre kippt in eine Zeit der Angst und der Beerdigungen: »Die Freunde sind nicht mehr.« Zugleich zeigt Pleschinski, wie die schwule Community in der Krise solidarisch war. Anja Kampmann betont im Nachwort, der Roman sei nicht gealtert, denn »er liest sich wie eine Erinnerung an das, was uns ausmacht, die Tränen, die Liebe.«

 

Hans Pleschinski
Bildnis eines Unsichtbaren
C.H.Beck, 313 S.