Ein geruhsames Leben als schwuler Philosophielehrer in Beirut: Wären da nicht Radschas Gutgläubigkeit und vor allem: seine Mutter. Foto: Oliver Wascow


Der 63-jährige Radscha blickt zurück auf sein Leben in Beirut, auf das Überleben in stets chaotischen Zeiten. Das Alter Ego von Autor Rabih Alameddine erzählt davon lakonisch, temporeich und schwarzhumorig. Da ist auf der einen Seite Radscha, der dank eines im selbst beigebrachten Japanisch verfassten Büchleins zu Geld und dank seiner umfassenden Lektüre der großen Dichter und Philosophen zu einer Anstellung als Lehrer gekommen ist. Und da ist auf der anderen Seite seine Mutter Zalfa, die, statt bei seinem verhassten Bruder in Dubai zu leben, enttäuscht von dort zurückkehrt und bei ihm einzieht – für immer. Seine Mutter, deren »Seufzer tödliche Waffen waren« und die damit stets bekommt, was sie will. Vor allem von ihrem gutgläubigen Sohn. Dabei wird sie tatkräftig von ihrer besten Freundin Madame Taweel unterstützt, die umgeben von ihren Bodyguards ganze Stadtviertel kontrolliert und lukrative Geschäfte macht. Das kann mehr als hilfreich sein in Zeiten von Bürgerkrieg und Besetzung.

Der Autor, geboren in Jordanien und aufgewachsen in Kuwait, im Libanon und in England, lebt heute in San Francisco und in Beirut. Für den vorliegenden Roman hat er 2025 den National Book Award erhalten, einen der renommiertesten Literaturpreise der USA. Zurecht, denn mit großer Lust am Fabulieren lässt er die Leser/innen an Radschas warmherziger Verzweiflung an seiner Familie teilhaben, die ihn nie in Frieden lässt und aus seiner ruhigen Wohnung einen Taubenschlag macht. Eine prallvolle Geschichte um Familienbande, die stärker ist als das Chaos um sie herum.

 

Rabih Alameddine
Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)
Ü: Werner Löcher-Lawrence
C.H.Beck, 352 S.