Lüstern, listig wie gelehrt: Erotische Literatur im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Foto: Katharina Busch
Kann Pornografie philosophisch sein? Antwort: Ja. Das war sie nämlich im 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung. Damals ging die Befreiung des Denkens mit der literarischen Befreiung der Sexualität einher. Diese pikanten Werke, die oft Grenzen überschritten, wurden als Libertinage bezeichnet, ihre Autoren als »Libertins«, als tierisch lüsterne amoralische Pornographen. Oft genug erschienen diese Erzählungen und Romane »sous le manteau« (»Unter dem Mantel«) – unter Pseudonym und mit einer fiktiven Stadt als Verlagsort.
2023 edierte der Schweizer Germanist Markus Bernauer, Professor an der TU Berlin und seit 2010 Leiter der digitalen Jean Paul-Edition, die Textsammlung »Freiheit – Gleichheit – Sinnlichkeit« über die Literatur des Libertinismus in Deutschland. Parallel dazu entstand dieser Band. Bernauer beschränkt sich analytisch auf Deutschland und die deutsche Literatur – die ergiebigere (und lesenswertere) französische Belletristik lässt er außen vor –, traktiert anfangs das definitorisch arglistige Feld der Pornografie, dann das Genre der so genannten Kurtisanengespräche, geht erhellend auf Urbanität ein und auf libertine Räume und, bevor er final klug Christoph Martin Wieland, Wilhelm Heinse und Goethe würdigt, die libertine Tafelrunde Friedrichs des Großen in Potsdam.
Wie gelehrt und wie sehr sich dieser recht elegant geschriebene Band als Referenz-, Nachschlage- und Verweis-Band eignet, zeigt der Anhang aus Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register, der 222 Seiten umfasst.
—
Markus Bernauer
Pornografie und Gotteslästerung. Libertinismus in Deutschland
Matthes & Seitz, 800 S.

