Elena Fischers »Wirf einen Schatten« stellt Fragen über Vaterschaft, unterdrückte Gefühle und über das Bewältigen von Vergangenem. Foto: Alexander Conrads / © Diogenes Verlag
Die Sechzigerjahre. Joseph und seine Familie leben auf einem Bauernhof, der Alltag ist vom Melken und Füttern der Tiere geprägt. Bis seine Frau Lis beschließt, gemeinsam mit ihrem Sohn in die Stadt zu ziehen und den Hof und somit auch Joseph hinter sich zu lassen. Josephs einziger Kontakt zur Außenwelt stellt Ada, die Schwester seiner Frau, dar, die ihre Fürsorge durch das Zusenden von Büchern zeigt. Und auch eine zweite Frau kümmert sich auf ihre eigene Art um den verlassenen Mann: Die 20-jährige Birdie findet nach einem Ausriss von zuhause Zuflucht auf dem Hof. Kapitelweise spielt Fischer mit Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit, die eine Erklärung für Josephs Passivität in seiner Rolle als Vater und Ehemann bilden. Es wird eine Männerfigur gezeichnet, die von unterdrückten Emotionen geplagt wird und ihre Traumata aus der Vergangenheit nicht bewältigt, sondern verdrängt hat. So wichtig die Thematisierung von männlicher Emotionsbenennung und Bewältigung auch scheint, gewisse Handlungsstränge, wie etwa das plötzliche Auftreten von Birdie und die Einflechtung einer vergangenen Romanze, erscheinen hier blass und eher wie eine Ablenkung der tatsächlichen Themen, die dieser Roman aufzugreifen versucht: das Aussprechen von Dingen, die tief verborgen in unserer Seele liegen, das Ausbrechen aus längst vergangenen Familienkonstellationen sowie das Aufbrechen zu einer neuen Version seiner selbst.
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Elena Fischer
Wirf einen Schatten
Diogenes, 304 S.

