Christiane Hoffmann über Hoffnungen und Träume eines Lebens, eines Landes. Foto:
Die Poetin Anna Achmatowa, der Freitod einer Freundin Ende Februar 2022, die Geschichte Russlands von den späten 1980er Jahren bis Putins Krieg – was merkwürdig divergent klingt, führt Christiane Hoffmann in einem Buch zusammen. Generaltenor: Verlust und Trauer. Die Leitfragen sind: Wie hätte ich der Freundin helfen können, weiterzuleben? Wie hätte die Entwicklung Russlands seit der Perestroika anders verlaufen, wie anders beeinflusst werden können?
Die Deutsche, studierte Slawistin, war von 1994 bis 2012 als Journalistin für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG tätig, für die sie von 1996 bis 1999 Russland-Korrespondentin war, und 2013 bis 2021 für DER SPIEGEL. Zwischen 2021 und 2025 amtete sie als stellvertretende Regierungssprecherin der Administration Scholz-Habeck.
Wirklich aufschlussreich und lebendig sind ihre Schilderungen des Studienaufenthalts in Leningrad 1989 und ihre Beschreibung eines Radio-Volontariats in Kiew im Sommer und Herbst 1991. Hochempathisch ist das Porträt der langjährigen Freundin geraten, die einen russischen Künstler heiratete. Kurze Zeit später wurde bei diesem stark progrediente Multiple Sklerose diagnostiziert. Bald wurde er zum Pflegefall – und sie rutschte in Verzweiflung, Burn-Out, wurde manisch-depressiv. Nach seinem Tod fehlte ihr dann der letzte Halt. Hier wird das Buch so unverstellt intim, dass sich peinigender Voyeurismus einstellt. Die Klammer dieser Elegie sind Gedichte der großen russischen Lyrikerin Anna Achmatowa.
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Christiane Hoffmann
Die Träume, die wir hatten. Meine Freundin, Russland, die Ukraine und ich.
C.H. Beck, 300 S.

