Joey Goebels großer Roman »Sunset Flip« über das Ende des amerikanischen Traums. Foto: Nate Fish | © Diogenes Verlag
Mit dem Künstlerroman »Vincent«, »Ich gegen Osborne«, »Heartland« und dem Erzählband »Irgendwann wird es gut« hat sich Joey Goebel aus Henderson, Kentucky, bei uns einen großen Namen gemacht. Seine Bücher, so auch »Sunset Flip«, erzählen satirisch und bewegend von der Kehrseite des amerikanischen Traums und von einer Gesellschaft, in der kein Platz ist für die Leisen und Schüchternen, die vordergründigen Verlierer/innen und »Freaks« (so der Titel seines fulminanten Debüts 2003). Wie so viele träumt auch Auggie Schnuck, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, davon, Schauspieler zu werden; Wrestling soll ihm den Weg dorthin ebnen. Denn auch die in den USA so populäre Schaukampf-Sportart ist vorab bis ins Kleinste inszeniertes Theater. Als »The Aug« ringt sich Auggie schnell nach oben: Wrestling ist auch eine Möglichkeit, der Realität zu entfliehen. Doch genau das wird ihm zum Verhängnis, als er sich immer mehr mit seiner kämpferischen Kunstfigur identifiziert, hinter der sein eigentliches Ich zunehmend zu verschwinden droht. Als »The Aug« ist er ein Champion. Im wirklichen Leben ist Auggie Schnuck ein introvertierter, liebenswürdiger, verletzlicher und belesener junger Mann, dessen Vertrauen schon früh missbraucht wurde und der sein Glück nun nicht fassen kann. Vom Preis des (Über-)Lebens in einer auf Fake-Realitäten aufgebauten, aalglatten und dennoch rauen (Plastik-)Welt erzählt Joey Goebel unheimlich gut, authentisch und zutiefst berührend. Über »Sunset Flip« wird man noch viel sprechen und noch viel mehr nachdenken.
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Joey Goebel
Sunset Flip
Ü: Nicolai von Schweder-Schreiner
Diogenes, 384 S.

