Auf Schatzjagd im Land der aufgehenden Sonne: Meinrad Brauns rasanter Verschwörungs-Thriller über Gold und Gewalt. Foto: emons Verlag.


Tokyo, 1950. Mirabell Molnar, einer altösterreichisch-ungarischen, nach Nordkalifornien ausgewanderten Familie entstammend und Japanologie-Doktorandin in Berlin, wird im Namen des Leiters des deutschen Ostasien-Instituts nach Japan geschickt, um einen enorm wertvollen Druck eines japanischen Künstlers gegen den Helm eines Samurais zu tauschen. Bei der Prüfung des Werks stellt sich heraus: Es ist eine Kopie. Noch bestürzender ist aber, dass sie, zurück im Hotel, feststellen muss, dass in ihr Zimmer eingebrochen und der Helm entwendet wurde. Dann wird sie entführt – von ihrem Guide, der sich nicht als der erweist, als der er sich vorstellte. Doch rasch wird klar, dass der Japaner sie schützen und retten will. Der Helm soll Hinweise auf verborgene, im Krieg zusammengeraubte Schätze des Kaiserhauses enthalten. Jetzt sind sie alle Mirabell auf der Spur, die Yakuza, die CIA, ein tückischer Prinz.

Es kommt zu rasanten Verfolgungsjagden, Schießereien, zu Lebensbedrohlichem, auch zu Liebe in diesem an einem außergewöhnlichen Ort und zu einer ungewöhnlichen Zeit angesiedelten Noir, der auf historischen Fakten aufbaut – tatsächlich ist vieles an Kriegsbeute nach 1945 in Japan »verschwunden« und dem Inselstaat von den USA nicht als Reparationsschuld angerechnet worden.

Gekonnt greift Meinrad Braun, Autor vieler Bücher und lange als Psychotherapeut tätig, auf den Fundus des düsteren Spannungsromans zurück und vermag dem Ganzen am Ende eine gewitzte Wendung zu geben.

 

Meinrad Braun
Tokyo Lily. Auf der Jagd nach Hirohitos Gold
emons, 224 S.
ET: 28. Mai