Es ist vielleicht die bekannteste »Soft Power« der Welt. Was verbirgt sich hinter diesem Superlativ? Der Geschmack. Foto: DLA-Marbach


Geschmack hat jede und jeder. Zumindest wird das von allen für sich reklamiert. Schlechten Geschmack zu haben oder zugeteilt zu bekommen, ist eine deutlich akzentuierte gesellschaftliche Herabsetzung, ein negatives Brandzeichen. Geschmack, ein, so Ulrich Raulff, »unscheinbares Wort, ein rätselhafter Begriff«, ist der »unerklärte Erklärer«.

Raulff, in diesem Jahr 75 geworden, war erst Übersetzer, dann Feuilletonredakteur bei der FAZ und der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, bevor er 2004 Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach am Neckar unweit von Stuttgart wurde. Als solcher amtierte er bis 2018; in diesen Jahren schrieb er mehrere weithin wahrgenommene Bücher, über Stefan George, die 70er Jahre und, in mehrere Sprachen übersetzt, über Pferde. Nun erweist er sich als pfiffiger wie belesener Cicerone – durch die so vielen so verschiedenen Landschaften, Höhen und Untiefen des Geschmacks geleitend. Der Bogen reicht von Mode bis Wein, von Wohnen bis Agamben und Gadamer, von Cocktails zu Colliers, ästhetischer Phänomenologie zu Jeff Koons, von Kaffeekultur zu »Geschmackspäpsten« ihrer Zeit wie, im späteren 18. Jahrhundert, Joachim Johann Winckelmann, von der Antike über mehrere Kontinente bis zu Truman Capotes Holly Golightly alias Audrey Hepburn. Überaus anregend ist das, geistreich und sprachlich von geschmackvoll anmutiger Leichtigkeit.

Anm.: In der ursprünglichen Version des Artikels ist es bei der Überschrift zu einer fehlerhaften Angabe des Nachnamen des Autors gekommen. Wir ersuchen um Entschuldigung für diesen Fehler.


Ulrich Raulff
Wie es euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks.
C. H. Beck, 480 S.