Die aufgeheizte Atmosphäre der Zwischenkriegszeit bildet den Rahmen für Beate Malys neuen historischen Krimi. Foto: Dan D. Joseph
Hauptattraktion der großen Ausstellung im Wiener Messepalast im Mai 1927 ist das erste Planetarium außerhalb Deutschlands (im November wird es der »Schneepalast« im aufgelassenen Nordwestbahnhof sein, das wissen die Wiener noch nicht): Die pensionierte Lateinlehrerin Ernestine hat Eintrittskarten für sich, ihren Lebensgefährten und dessen Tochter samt Ehemann, Oberkommissar bei der Kriminalpolizei, zur privaten Vorführung der Fabrikantenfamilie Faber bekommen. Der Imbiss davor beginnt mit einem handgreiflichen Streit, und als das Licht nach der Schau angeht, ist jemand tot …
Nach Kinderbüchern und pädagogischer Fachliteratur schreibt Beate Maly vielbeachtete historische Romane und Krimis, in der Reihe »Bedeutende Frauen, die die Welt verändern« u.a. über Maria Montessori und Emmi Pikler. 1927, als Ernestine Kirsch in den Mord im Planetarium verwickelt wird, war ein ganz besonderes Jahr: Hochblüte des »Roten Wien«, mit der Beethoven-Zentenarausstellung und den ersten Wiener Festwochen sowie dem Justizpalastbrand nach den skandalösen Freisprüchen im Schattendorfer Prozess (rechtsgerichtete »Frontkämpfer« hatten auf unbewaffnete Schutzbündler geschossen). Maly geht mit den historischen Fakten sensibel um, ganz aus der (eingeschränkten) Sicht der Menschen im Zeitgeschehen. Besonders schön die Hommage an das 1948 abgerissene Hotel Metropol: Es beherbergte berühmte Gäste wie Mark Twain, dann als Hauptquartier der Gestapo ebenso illustre Gefangene: Kanzler Schuschnigg und Louis Nathaniel von Rothschild.
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Beate Maly
Mord im Planetarium
Emons, 256 S.

