»Kälter«: Andreas Pflügers rasanter Vergangenheits-Deutschland-im-Herbst 89-Thriller. Foto: Susanne Schleyer.
Amrum, die sehr überschaubare und sehr beschauliche Nordsee-Insel südlich von Sylt. Auch dieser Herbst des Jahres 1989 beginnt hier ganz ruhig. Und auch für die Ortspolizistin Luzy Morgenroth, die zu viel raucht, die zu viele Lebendkilos mit sich herumträgt und die nur eines will: ihre Ruhe haben. Starke Winde sind nichts Ungewöhnliches auf Amrum. Doch in einer Sturmnacht verschwindet von der Fähre ein Einheimischer, der Bruder ihrer besten Freundin – was Folgen hat. Vor allem für Luzy. Denn nun holt sie ihre Vergangenheit ein, in Gestalt von fünf Killern, die auf Amrum auftauchen – denn einst, als ganz andre Frau, war sie eine Kämpferin. Und eine Profikillerin. Damals machte sie sich einen Todfeind. Ausgerechnet diesem Mann mit Namen Babel muss sie sich jetzt wieder stellen. Sie wird wieder zur mörderischen Waffe.
Man meint, die Ausgangskonstellation recht hinlänglich zu kennen aus nicht wenigen Kriminalromanen, in denen die Protagonistinnen mit ihrem früheren Blut-und-Beuschel-Leben sich konfrontiert sehen und mit brutalen Wiedergängern. Doch Andreas Pflüger, 68, der in Berlin lebt und erfolgreiche Krimis wie zahlreiche TV-Krimi-Drehbücher verfasste, darunter allein 26 Scripts für die »Tatort«-Serie, gibt dem Ganzen Pfiff und immer wieder einen neuen, überraschenden Drall. Denn keineswegs zufällig ist dieser ausnehmend gründlich recherchierte, ein immer rasanteres Tempo annehmende Pageturner im deutschen Wende-Herbst angesiedelt. Und der Blut-und-Rache-Bogen reicht weit, sehr weit.
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Andreas Pflüger
Kälter
Suhrkamp, 496 S.

