Mit Erzählungen machte sich Maria Messina Anfang des 20. Jahrhunderts einen Namen. Neu- und Erstübersetzungen sind unter dem Titel »Sterne, die fallen« erschienen. Foto: Altamarea
Mehr »misero« als »triste«, mehr erbärmlich als schön und sentimental traurig sind die Erzählungen Messinas. Das Schicksal der Sizilianerin (1887-1944) war entsprechend: aus verarmtem Adel stammend, an Multipler Sklerose leidend, brachte sie sich Lesen und Schreiben selbst bei, schrieb Erzählungen und Kurzromane, die alle im kleinstädtischen oder dörflichen Milieu Siziliens spielen. Es geht um Weinberge oder Olivengärten, um arme, leidende Frauen und egoistische Männer, um die Aussteuer für die Hochzeit und das Auswandern nach »La Mérica«. Kulinarische Höhepunkte sind geröstete Kichererbsen und ein Glas Rotwein. Messina beschreibt das Patriarchat, sie klagt nicht an. Sie variiert ihr Thema vielfältig, auch wenn es zumeist verlassene und einsame Frauen sind, von denen sie erzählt. Sie erfindet immer neue Gründe, aus denen heraus ihre Heldinnen unterjocht werden. Jede von ihnen ist auch eine eigene Persönlichkeit. Sie leben in »kleinen abgeschlossenen, gottverlassenen Ortschaften, in denen die Gewohnheit einen monotonen Rhythmus prägt«, schreibt sie im Nachwort zu einem ihrer Erzählbände. Die Orte sind hässlich, Schönheit kommt nur dann auf, wenn vom Abendhimmel oder der Morgendämmerung die Rede ist oder aber von einer Nebenbuhlerin, die dem Geliebten den Kopf verdreht. Wenn das Schicksal Männer trifft, hat Messina auch mit ihnen kein Mitleid, eher leise Ironie. Die Übersetzerin Christiane Pöhlmann bringt einem im Nachwort die Autorin, ihre Lebensumstände und auch die Themen ihrer Erzählungen und Kurzromane nahe. Und immer wieder begeistert die Ausstattung der Bücher aus der Friedenauer Presse.
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Maria Messina
Sterne, die fallen
Ü: Christiane Pöhlmann
Friedenauer Presse, 236 S.

