Der Baske Beñat Sarasola über den Lyriker Frank O’Hara und New York um 1960. Foto: Oier Aranzabal
Der Name Frank O’Hara dürfte selbst Amerikanophilen hierzulande nichts sagen. Denn die letzte deutsche Übersetzung von Gedichten dieses Autors, Kunstkritikers und Museumskurators, der Ende Juli 1966 mit 40 Jahren nachts auf einem Strand im Süden von Long Island nahe New York von einem Jeep überfahren wurde, datiert von 1969 (!).
Nun legt der im baskischen San Sebastián lebende Schriftsteller Beñat Sarasola über ihn und die Liebe seines Lebens einen biografischen Roman vor. Der Weg ins Deutsche war außergewöhnlich: Vor einem Jahr lud der Förderverein des Literaturhauses Wiesbaden, das seit Jahren eine Affinität zum Baskenland pflegt, den hierzulande unbekannten Sarasola ein, aus seinem Roman zu lesen – was den ortsansässigen Verleger Lothar Wekel so begeisterte, dass er den Text flugs gut ins Deutsche übersetzen ließ.
Dass Sarasola die Liebesbeziehung von O’Hara und seinem Lover Joe LaSueur, sie lebten von 1951 bis 1965 zusammen, eindringlich und sensibel schildert, lag auf der Hand – schließlich hat er O’Hara ins Spanische übersetzt. Und dieser war nicht nur zu Lebzeiten im kulturell vibrierenden New York wichtig und höchstgeschätzt, 1972 erhielten seine Gesammelten Gedichte den wichtigen National Book Award der USA, auch Jahrzehnte später tauchte ein Gedichtband von ihm in einer Episode von »Mad Men« auf und in Sally Rooneys Roman »Normale Menschen«. Eine überaus lesenswerte Schilderung von Leben und Kunst, Poesie und urbaner Kunst ist Sarasola gelungen, eine subtile Hommage an einen bedeutenden Dichter.
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Beñat Sarasola
Auf eine Cola mit dir
Ü: Cristina Brendel
S. Marix, 288 S.

