Anlässlich des 100. Geburtstags der Dichterin, Prosa- und, Hörspielautorin Ingeborg Bachmann bringt der Wieser Verlag ein wunderbares Buch heraus. Foto: Public Domain
»Schlaglichter« nennt Literaturwissenschafterin Ingeborg Szöllösi den Band, der sich in einer gelungenen Mischung aus Werkinterpretation, Briefwechsel und genau recherchierten biografischen Zusammenhängen zusammensetzt sowie auf jüngst aus dem Nachlass veröffentliche Bücher rekurriert. Was eventuell trocken hätte geraten können, liest sich in der respektvollen Annäherung der in Siebenbürgen geborenen Philosophin, Theater- und Literaturwissenschafterin und Publizistin Szöllösi so fesselnd wie berührend. Wie sich der Person, der Schriftstellerin Bachmann nähern, fragt Szöllösi eingangs – und das nicht nur angesichts der Fülle von Literatur zu und um Bachmann. Es gelingt in diesem Band, die komplexe Persönlichkeit der Ingeborg Bachmann mit den genau gesetzten Schlaglichtern anzustrahlen – ohne den Anspruch auf völlige Aus- oder gar Durchleuchtung zu erheben. Von der 18-Jährigen, die im Krieg nicht mehr in den Bunker will, sondern lieber im Freien »gegen die Bomben anliest«, über den unglaublich kräftezehrenden Kampf einer Frau, die unmittelbar nach dem Krieg beginnt, auf ihr ökonomisch wie emotional unabhängiges Leben zu bestehen, über ihre Lebensmenschen, die Traumata von Krankheit und Selbstzweifel, über das Scheitern von Beziehungen, den irgendwann einsetzenden Überdruss am Literaturbetrieb und über sehr viel mehr gibt dieses souveräne Buch Auskunft über eine, die lebte, um zu schreiben und die niemals ein »Opfer«, vielmehr eine Selbstbestimmte war, die u. a. formulieren konnte: »Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein.«
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Ingeborg Szöllösi
Schlaglichter. Ein Essay zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann
Wieser, 100 S.
