Ein empfindsamer Roman über das, was wirklich im Leben zählt. Foto: Tanja Kioschis – BTC Photography
Schauplatz dieses zarten Romans ist Redu, ein beschaulich-pittoresker Ort in den belgischen Ardennen. Hier gibt es mehr Buchhandlungen als andere Geschäfte, mehrmals im Jahr werden Bücherfeste veranstaltet und Fremde besuchen das Vierhundert-Seelen-Dorf. Ansonsten geht es hier ruhig zu. Man liest, man hilft einander, man geht hinaus in die Natur. Marie, eine junge Pariserin, die ihrem Leben und dem Lärm der Großstadt mit dem Zug Richtung Belgien entkommen möchte, trifft während der Reise auf die betagte, aber lebensfrohe Isländerin Jónína, eine Frau mit durchdringendem Blick, der kurzentschlossen sie nach Redu folgt. Gemeinsam mit der jungen Protagonistin betritt man als Leserin eine Welt wie aus dem Märchen. Hier gibt es kein Internet, man lebt im Einklang mit der Natur, liest, kocht, freut sich des Lebens. Marie wird von allen herzlich aufgenommen, einzig die verhärmte Mathilde geht Marie aus dem Weg. Aber auch das ändert sich eines Tages.
Dass aus der anfänglichen Abneigung der beiden ungleichen Frauen zuerst eine zarte, später eine innige Freundschaft entsteht, ist vorhersehbar. Über welch schöne, unerwartete Umwege dies geschieht, freilich nicht.
Torsten Woywods erster Roman ist ein Buch über menschliche Beziehungen und die Kraft der Gemeinschaft. Über Zusammenhalt in Krisenzeiten und den Jahreslauf der Natur. Aber auch über das Lesen, die Langsamkeit und das Reduzieren auf das Wesentliche. Ein stilles und langsames Buch, das seine Schönheit nach und nach entfaltet und schlussendlich verzaubert.
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Torsten Woywod
Mathilde und Marie
dtv, 234 S.

