Ein Buch wie ein Donnerschlag, eine außergewöhnliche Frau, eine schier unglaubliche Erfahrung – und eine resultierende, radikale Philosophie, die sich mit Leben, Tod und menschlicher Hybris befasst. Foto: Sean Kenan.
Die australische Ökofeministin und Umweltphilosophin Val Plumwood (1939–2008) arbeitete an amerikanischen und australischen Universitäten. Zu ihren wichtigsten Publikationen zählen die Bände »Feminism and the Mastery of Nature« (1993), »Environmental Culture: The Ecological Crisis of Reason« (2002) und der posthum veröffentlichte Band Das Auge des Krokodils« (2012).
Es ist unschwer, sich vorzustellen, wie heftig der akademische Wind einer widerständigen Feministin entgegen stürmte, die sich standhaft gegen den westlich zementierten Anthropozentrismus stemmte. Ihr Engagement für eine Naturethik, die sie als Möglichkeit und Notwendigkeit begriff, war eine Kampfansage, die sich gegen die Vorstellung vom Menschen als »Krone der Schöpfung« und die selbstherrliche Anmaßung von der Unterwerfung der Natur richtet. Im Februar 1985 paddelt Val Plumwood mit dem Kajak durch den nordaustralischen Kakadu-Nationalpark und wird von einem Leistenkrokodil angegriffen, gepackt und dreimal gewaltsam unter Wasser gerollt. Warum der Räuber von ihr ablässt, bleibt unerklärlich, die Autorin überlebt schwer verletzt. Sie braucht lange, um das Geschehen zu verarbeiten, dann aber schreibt sie darüber – und entwickelt ihre Philosophie weiter, stellt unbequeme Fragen zur vermeintlichen menschlichen Überlegenheit. Sie kann den Text nicht mehr beenden, dennoch ist der vorliegende Band ein Meilenstein, zusammengefügt aus früheren Texten, ein »kämpferischer Aufruf zu einer abenteuerlichen Neujustierung unserer Weltwahrnehmung«.
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Val Plumwood
Das Auge des Krokodils
Ü: Sigrid Ruschmeier
Naturkunden, 176 S.

