Beate Maly macht diesmal ein Hotel mit großer Vergangenheit zum Schauplatz eines (unblutigen) Verbrechens. Foto: Dan D. Joseph


Ernestine Kirsch hat eine Einladung zu einer Kunstauktion am Semmering erhalten. Ihr Lebenspartner, der Apotheker Anton Böck hat unangenehme Erinnerungen an das dortige Hotel Panhans – zwei Mordfälle bei ihrem letzten Aufenthalt! – , aber Ernestine hat das vorausgesehen und im Südbahnhotel, wo die Bilder vor der Versteigerung ausgestellt werden, reserviert. Enkelin Rosa darf mit Freund Fritzi mit, Hund Minna sowieso. Aber wo die neugierige Ernestine auftaucht, gibt es todsicher Komplikationen.

Die Semmeringeisenbahn, heute UNESCO-Weltkulturerbe, und das 1882 eröffnete Grandhotel der Südbahngesellschaft markierten den Beginn des touristischen und gesellschaftlichen Aufschwungs der Region an der südlichen Grenze Niederösterreichs zur Steiermark. Im Sommer begegneten sich dort gekrönte Häupter, Künstler und Wiener Bürger zur Sommerfrische, im Winter wandelte sich der gesamte Park des Südbahnhotels zum Sportparadies mit Skisprungschanze. 1976 als Hotel geschlossen, etablierte sich ab 2017 ein Kulturbetrieb. Der ehemals eindrucksvolle Bau soll sogar Wes Anderson zu seinem Film »Grand Budapest Hotel« (2014) inspiriert haben. Im Advent 1926 allerdings haben sich Geldsorgen, Eifersucht und, modern ausgedrückt, MeToo eingenistet …

Beate Maly, die österreichische »Queen of cosy crime«, will vor allem unterhalten. Eh gut. Aber wenn man sich ein zusätzliches Vergnügen gönnt, Detektiv spielt und nachschlägt, welche Figuren historisch und welche fiktiv sind, wird man auch ein bisschen gescheiter.

 

Beate Maly
Advent im Grandhotel
Emons, 224 S.