In »Der gefährlichste Ort« seziert Maike Möller-Engemann schonungslos, wie ein ganzes System Frauen angesichts tödlicher Gewalt im Stich lässt. Foto: privat
Maike Möller-Engemann, ausgebildete Tänzerin, langjährige Darstellerin und Choreografin, arbeitete mit namhaften Regisseurinnen im freien Berliner Theater, ist derzeit Redakteurin in Brandenburg. Drehbucharbeit und ihr Wirken als Dramatikerin fürs Jugendtheater zählen ebenfalls zu ihrem Œuvre. Von der Vereinigung der Mörderischen Schwestern 2022 als Stipendiatin ausgewählt, hat sie nun auch das Krimigenre zu ihrem Arbeitsfeld gemacht – und der vorliegende Titel präsentiert keine unterhaltsame Whodunnit-Story, sondern ein genau recherchiertes, brisantes und höchst relevantes Buch im Gewand eines Krimis. Präzise und souverän zeichnet die Autorin die Charaktere, nimmt in einem großen Bogen ein vielschichtiges Panoptikum der Gesellschaft in den Fokus und erhebt Anklage gegen ein System, das Frauen und Kinder sowie Personen, die nicht der Norm entsprechen, nicht schützt: zuerst aufgrund von Ignoranz und der Unterstellung der »Unglaubwürdigkeit« und infolgedessen durch eine Justiz, die immer noch in Teilen bereit ist, den Betroffenen von Gewalt und Bedrohung eine »Teilschuld« zuzuschreiben. Femizid, die ultimative Konsequenz der Gewalt an Frauen, geschieht so gut wie nie im einsamen Waldstück, begangen vom Fremden, der auf ein Zufallsopfer lauert. Der gefährlichste Ort für Frauen in Grenzsituationen ist das eigene Heim. Dieses Thema arbeitet die Autorin erschütternd realistisch und mit psychologischer Tiefenschärfe auf. Ein Pageturner, der die ganz hässliche Seite der angeblich zivilisierten Gesellschaft ausleuchtet.
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Maike Möller-Engemann
Der gefährlichste Ort
Emons, 336 S.

