Mario Petuzzis schwarzes Märchen-Romandebüt über eine alpine Anderswelt. Foto: Michaela Kölle / Agentur Anzenberger / © Diogenes Verlag
»Winterschlaf«: Wenn ein Roman so heißt, dann muss er nicht zwangsläufig von Tieren handeln, die einen ebensolchen halten. Im Debütroman des Mittdreißigers Mario Petuzzi ist es eine Frau, eine Mutter. Sie schläft schon seit Jahren auf wundersame Weise stets den Winter durch. Wird sie dann zu Beginn des Frühlings wach, schreibt sie auf, was ihr in Träumen an Bildern, Sätzen, Gleichnissen und delphischen Sprüchen in der REM-Phase kam. Auf dem abgelegenen Hof lebt sie mit Apo, dem Großvater ihrer beiden etwa zehn Jahre alten, optisch kaum unterscheidbaren Zwillinge, einer Tochter, einem Sohn. Diese beiden sind recht eigentlich die Augen und Ohren, durch die alles erzählt wird. Besucherinnen und Besucher, vom Leben, Schicksal und Krankheiten gebeutelt, strömen zum Haus, zur Frau, die als Seherin und Orakel gilt. Sie wollen gegen Honorar Antworten, Aussichten, Hoffnungen. Ein Deutscher bleibt und wird sogleich zum Arbeiten eingespannt. Dann taucht in der Nähe eine kleine Gruppe auf, öko-animistisch bewegt. Ein Veterinär, der die Frau medizinisch überwacht, spielt eine Rolle. Und außerdem vier Schildkröten.
Petuzzi stammt aus Hall, östlich von Innsbruck und lebt heute in Hatting, westlich von Innsbruck, er ist studierter Ökonom und Komparatist mit Aufenthalt im brasilianischen São Paulo. Er entwirft hier ein magisch-andersweltliches Szenario, ein schwarzes Anderswelt-Märchen, das nicht gerade gut endet. Erstaunlich, wie konsequent Petuzzi in kurzen Sätzen seinen sonoren Ton bis zum Ende durchhalten kann.
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Mario Petuzzi
Winterschlaf
Diogenes, 240 S.

