Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert – die vier Vertreter der Wiener Klassik zählen zu den bekanntesten Komponisten. Sie hinterließen große Werke, und manche Geheimnisse, die die Fantasie noch immer beflügeln.


In den Debütroman „Mozarts letztes Requiem“ eines in Salzburg zurückgezogen lebenden Autors, dessen Identität genauso geheimnisvoll scheint wie seine rätselhafte Geschichte, wird man hineingeworfen. Sofort findet man sich als Leserin mittendrin in der Musik von Mozarts Requiem, in verqueren, langen Sätzen, die altmodisch anmuten. Noch weiß man nicht, in welcher Zeit man gelandet ist. Nach und nach entspinnt sich eine verwirrend-bizarre Geschichte, die im Salzburg der Gegenwart beginnt und zahlreiche Morde nach sich zieht. Inspektor Nathan Stiller tritt mit seinem Assistenten auf den Plan, dazwischen kommt ein namenloser Ich-Erzähler zu Wort. Eine große Fülle an Wissen ist hier verpackt. Geistreiche und dichte Lektüre, die das Rätsel um Mozarts Requiem weiterspinnt.

Bereits der Titel „Wo dein sanfter Flügel weilt“ spielt auf die Verbindung von Schubert und Beethovens Neunter Symphonie an. Der Amerikaner Philip Mason reist nach Wien, um hier eine Forschungsarbeit zu schreiben, die ihn weit in die Geschichte und Musikgeschichte sowie über den Globus führen wird. Der Komponist, Historiker und Musiktheoretiker Sebastian Themessl legt hier einen gut zu lesenden opulenten Krimi vor, der auch vor Verschwörungstheorien und geheimen Weltregierungen nicht Halt macht. Nahezu alles, was Wien an Musik zu bieten hat, wird aufgefahren; weiter geht es nach Moskau und Südamerika. Eine aberwitzige Odyssee. Äußerst vergnügliche und kurzweilige Lektüre.

Alles beginnt mit einer Handschrift, die abhanden kommt. Drei Handlungsstränge laufen nebeneinander, in Mexico City und Wien, die hübsche spanisch-österreichische Cellistin Estrella gerät in einen Strudel von Verbrechen, Geheimbünden und Intrigen. Von Freimaurern ist hier die Rede, von Joseph Haydn, von einer seiner bedeutendsten und für die Musikgeschichte zukunftsweisenden Kompositionen, von neuen Bündnissen sowie der Macht der Musik. Wissenschaftler werden aufgesucht, mexikanische Polizeikommissare versuchen einen Mord aufzuklären, alte Archivare verschwinden und Estrella und ihr amerikanischer Freund Peter verirren sich in Palais. In seiner durchaus raffinierten Herangehensweise erinnert „Das Haydn-Pentagramm“ mit sympathischer Protagonistin und einer zarten Liebesgeschichte, eingebettet in die Pentagon-Geschichte, an die Bücher von Dan Brown. Die österreichische Autorin Anria Reicher zeigt hier ganz nebenbei, wie gut sie die Musik- und die Musikwissenschaftsszene kennt. Bei manch einer Figur vermeint man reale Vorbilder der Szene zu erkenne. Beste Unterhaltung mit Niveau.

Wien 1824. Die Uraufführung von Beethovens Neunter Symphonie steht direkt bevor. Musikjournalist und Krimiautor Oliver Buslau legt in seinem Roman „Feuer im Elysium“ eine fiktive Kriminalgeschichte vor, die intelligent und geschickt in den historischen Kontext eingebunden ist. Zwei Handlungsstränge führen gegen Ende zusammen, eingebettet in eine Rahmenhandlung. Sebastian Reiser, hoffnungsfroher Student und Violinist, kommt nach Wien, aber dunkle Machenschaften stellen sich ihm in den Weg. Buslau beschreibt hier, sozusagen nebenbei, das Wien des Vormärz, die Zensur, das Unverständnis der Zeitgenossen gegenüber Beethovens exzeptioneller Musik. Hier stimmt historisch und musikgeschichtlich einfach alles! Beschrieben wird ein Wien, in dem jeder jedem misstraut, seit Metternich herrscht. Ein Stück Kulturgeschichte wunderbar aufbereitet in einem Krimi, in dem Ludwig van Beethoven eine wichtige Rolle spielt. Auch Franz Schubert kommt als Nebenfigur vor. So könnte es gewesen sein, denkt man beim Lesen unweigerlich.

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Oliver Buslau, „Feuer im Elysium“ (Emons), 496 S.

Jago Prinz, „Mozarts letztes Requiem“ (Anton Pustet), 512 S.

Anria Reicher, „Das Haydn-Pentagramm“ (Aufbau), 416 S.

Sebastian Themessl, „Wo dein sanfter Flügel weilt“ (Hollitzer), 412 S.


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