»Dunkelblaue Stunden«: Julia Erlers Roman über Leben, Lieben, Vergessen


Südfrankreich. Dort lebt die alleinstehende, betagte Mona mit Hund und Kater. Sie hat ein bunt durchsetztes Freundschaftsnetz, das bei ihrer Nachbarin beginnt und gänzlich unterschiedliche Frauen umfasst. Sie alle haben von vielem marmorierte Lebensläufe. Wie auch Mona, die jeden Tag im eigenen Schwimmbecken ihre Bahnen zieht, um sich körperlich fit zu halten und bestimmte Malaisen (die Hüfte, ach) in Schach zu halten. Sie muss allerdings registrieren, dass sich mentale Änderungen bei ihr einstellen und zunehmend zahlreichere kleine bis mittelgroße Störungen bemerkbar machen – Anzeichen für Demenz? Von ihrem eigenen Leben wissen die anderen wenig bis nichts, nichts von der einstigen, um Haaresbreite glückenden Flucht ihrer jüdischen Familie aus ihrer Heimat am Rhein zur Nazi-Zeit nach Südamerika, nichts von ihrer früheren großen Liebe Eduard.

Währenddessen entschließt sich Eduard, frisch Witwer geworden und seit Langem in London lebend, seinen Lebenskreis zu schließen und macht sich auf, Mona nach Jahrzehnten wiederzufinden. Er fragt sich bis in den Süden Frankreichs durch …

Julia Erler, geboren 1967, studierte Theaterwissenschaftlerin, die lange in Südwest-Frankreich für ein Weingut tätig war und heute wieder in ihrer Geburtsstadt Wiesbaden lebt, erzählt in ihrem Erstlingsroman atmosphärisch, schwebend leicht und mit überaus lebensnahen, gelungenen Dialogen von Schwerem: von dem, was bleibt, von dem, was man bedauert, von Melancholie und eventueller Aussöhnung mit sich und den Anderen.

Julia Erler
Dunkelblaue Stunden
S. Marix, 320 S.