Ute Woltron berichtet über die »Volkskrankheit Migräne«. Foto: Gregor Kuntscher
Der Kobold oder das Monster – mit gebührenden Metaphern belegt Ute Woltron jenen Schmerz, der unberechenbar lauert und seine vielen Opfer plötzlich zu jeder Zeit befallen kann. Die Journalistin und Autorin, die selbst seit ihrem 19. Lebensjahr unter starker Migräne leidet, widmet der Krankheit nun einen populärwissenschaftlichen Erfahrungsessay. Ausgehend von subjektivem Empfinden und einer aufschlussreichen Einführung speziell auch für Nicht-Betroffene, entwickelt sie ein medizinisches Krankheitsbild angereichert mit einer kleinen, einschlägigen Kulturgeschichte. Hervorzuheben ist dabei z. B. die Berücksichtigung der beiden bekennenden »Migränikerinnen«, Joan Didion und Siri Hustvedt. Woltron tut gut daran, sich in ein feministisches Krankheitsnarrativ einzuschreiben. So stellt sie dem psychoanalytischen Stereotyp der »hysterischen Frau« sowohl die Missstände in der medikamentösen Behandlungsgeschichte als auch die strukturellen Engpässe im aktuellen Gesundheitswesen entgegen. Der Text mag an der einen oder anderen Stelle etwas zu persönlich-flapsig sein, sich in leicht redundanten selbstbezüglichen Schleifen erschöpfen und daher gelegentlich den Blick auf die gesellschaftspolitischen Dimensionen der Krankheit einengen. Die Daten und Fakten sind aber zweifellos gewissenhaft recherchiert und wurden für Betroffene als erbauliches Trostbuch, für Nicht-Betroffene als informatives Aufklärungsbuch zusammengestellt.
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Ute Woltron
Heute nicht, ich hab Migräne
ecoWing, 192 S.

