Zwei junge Agrarwissenschaftler als »Spaziergänge des Anthropozäns«, viele, viele Regenwürmer und ideologische Bruchstellen. Foto: Fantin Louis de Montcenar.
Der Philosoph und Essayist Gaspard Koenig beschäftigt sich nicht nur in seiner 2013 gegründeten Denkfabrik »Génération Libre« mit liberalen Zukunftsideen, sondern auch in seinen Büchern. Sein aktueller, mittlerweile sechster Roman, »Humus« hat ihm den Ehrenpreis Prix Interallié beschert und seinen Leser/innen einen Crashkurs in Sachen Regenwürmer. Kevin und Arthur lernen sich beim Studium der Agrarwissenschaften an der AgroParisTech kennen. Die Vorlesungen der Regenwurmkoryphäe Prof. Marcel Combe prägt sie maßgeblich – wenn auch ihre Lebenswege weit auseinander gehen: Während Arthur, eigentlich Stadtkind, versucht, mithilfe der Regenwürmer den pestizidverseuchten Acker seines Großvaters zu regenerieren und sich als Aktivist nach und nach radikalisiert, steigt der aus ärmlichen Verhältnissen kommende Kevin mit seiner Humus-Maschine zum erfolgreichen Öko-Kapitalisten auf.
Anfangs verbindet die Freunde das Studentenleben und die Sorge um die Zukunft des Planeten, jedoch entfernen sich ihre Vorstellungen von Verantwortung und Innovation immer weiter. Was nach informationslastigen Wahnwitz klingen mag, ist vielmehr eine feine Zeichnung der fragilen Freundschaft zweier junger Männer und eine tiefgehende, aber kurzweilige Auseinandersetzung mit Boden- und Umweltschutz. Und eine Liebeserklärung an den Regenwurm – im Übrigen größte Biomasse der Erde, die auch über 5000 Arten auf allen Kontinenten verzeichnet. Koenig spielt mit den Ideen seiner Protagonisten und zeigt, welche Wege es aus der ökologischen Krise gäbe. Ob diese funktionieren oder scheitern, auch das probiert der Autor durch.
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Gaspard Koenig
Humus
Matthes & Seitz, 378 S.

