1920 kamen in Bad Nauheim die bedeutendsten Forscher ihrer Zeit zusammen. Ihr Streitpunkt: Einsteins Relativitätstheorie. Foto: Gunter Glücklich


Auch in seinem neuen Roman bleibt der promovierte Physiker Daniel Mellem der Wissenschaft treu. »Einstein im Bade« konzentriert sich auf wenige Tage im September 1920. Damals fand in Bad Nauheim die 86. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte mit über 2.500 Teilnehmer/innen statt. Im Mittelpunkt stand die längst antisemitisch gefärbte Auseinandersetzung um die bahnbrechende Relativitätstheorie des in Berlin lehrenden Juden Albert Einstein einerseits und dem späteren Begründer der Deutschen Physik Philipp Lennard andererseits. Mittendrin statt nur dabei: Ihr Gastgeber, Hoteldirektor Kleeberger, der begleitende und erzählende Chronist jener Ereignisse.

Seine Hoffnung ist es, ein Schlichtungsgespräch der verfeindeten Wissenschaftler im Musikzimmer seines etwas aus der Zeit gefallenen Hotels »Rastender Kranich« initiieren zu können. Ein derartiger Erfolg, untrennbar verbunden mit seinem Haus, könnte wieder mehr Gäste anlocken und an bessere Zeiten anschließen, hofft er gemeinsam mit seinem treuen Partner, dem Portier Wegenthaler. Doch dem stehen jede Menge Verwicklungen und Katastrophen im Wege, von den starrköpfigen Forschern ganz zu schweigen.

Ein wenig »Die Vermessung der Welt«, ein bisschen »Der Zauberberg« – dahin schielt Daniel Mellem mit seiner historischen Betrachtung, im zeitgenössisch klingenden höflichen Plauderton eines immer wieder tragisch-komisch scheiternden Hoteldirektors in turbulenten Zeiten.

Anm: In der ursprünglichen Version des Artikels haben wir die Lehrtätigkeit von Albert Einstein im Jahr 1920 in Zürich verortet. Dort lehrte er aber seit 1911 schon nicht mehr, sondern in Berlin. Wir ersuchen um Entschuldigung für diesen Fehler.

 

Daniel Mellem
Einstein im Bade
Kein & Aber, 272 S.