Arianna Cecconis subtiler, eindringlicher Roman über Schlaflosigkeit und nächtliche Landschaften. Foto: privat


Die italienische Anthropologin und Romanautorin (»Theresas Geheimnis«) Arianna Cecconi lebt in Mailand wie in Marseille und ist in der französischen Hafenstadt auch in ein Forschungsprojekt über Schlaf involviert. Lag es da nicht auf der Schreib-Hand, dass sie ihren jüngsten Roman um Schlaf und seine Absenz, um Geheimnisse und Träume kreisen lässt?

Aurora, die in Marseille lebt und sich dort nicht richtig heimisch fühlt, findet seit dem Ende der Beziehung zu Lupo, der sie wort- wie abschiedslos verließ, keinerlei Schlaf mehr, ja bei ihr ist es schon fast manisch, hat sie doch Angst, überhaupt einzuschlafen. Daher lässt sie sich auf ärztlichen Rat hin auf ein Schlaflabor ein, um ihr Schlafverhalten auf Film festhalten zu lassen. Mehrere andere Patienten werden dort auch therapiert. Bei einer Gelegenheit entwendet sie drei DVDs mit den Schlaf-Aufzeichnungen anderer, was eigentlich strikt verboten ist. Nun studiert sie in schlaflosen Nächten die Schlaf-Geschichten anderer, jenes Jungen etwa mit dem Restless-Legs-Phänomen, eines Matrosen, der an Apnoe leidet und daher keine Heuer (also eine Anstellung auf einem Schiff) mehr findet, oder eines Instrumentenbauers, der im Dunkeln mit Abseitig-Dämonischem ringt.

Das Buch, das im Original im großen italienischen Verlag Feltrinelli herauskam und nun in Klaudia Ruschkowskis guter Übersetzung vorliegt, ist eine sensible, hochempathische Erkundung von Fragilität und Halt, beides ja eminente Fragenkomplexe des Menschseins, von Kontrolle und den unkontrollierbaren Landschaften der Nacht.

 

Arianna Cecconi
Die Flügel der Schlaflosen
Ü: Klaudia Ruschkowski
S. Marix, 336 S.