Der Preis zum Wissenschaftsbuch des Jahres wird vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung ausgeschrieben und prämiert die besten deutschsprachigen, wissenschaftlich fundierten Sachbücher: das geeignete Gegengift also gegen Fake News und vorrangig emotionalisiert geführte Social Media-Debatten.

Jetzt hat das Publikum entschieden: Mehr als 11.000 Stimmen wurden bei der diesjährigen Wahl bis zum 11. Januar hauptsächlich online abgegeben, nun stehen die Siegerbücher des »Wissenschaftbuch des Jahres 2021« fest. Buchkultur gratuliert den Gewinner/innen herzlich!


Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaft:

Martin Schröder: „Wann sind wir wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld“ (C. Bertelsmann)

Sind Sie glücklich und zufrieden? Glück hängt von Emotionen ab, schwankt wild und ohne nachvollziehbare Muster hin und her. Zufriedenheit hingegen lässt sich tatsächlich messen! Sie tritt dann ein, wenn das Leben den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht. Der Soziologe Martin Schröder wertete eine umfangreiche Langzeitstudie aus – mehr als 600.000 Personen wurden in über drei Jahrzehnten befragt –,  und stieß auf vielerlei überraschende Ergebnisse. Unter anderem sind gebildetere Menschen nicht unbedingt zufriedener, Patrioten dagegen schon. Ebenso verwunderlich, dass eine größere Wohnung kein Rezept für größere Zufriedenheit ist… Was dieses Sachbuch so besonders macht: Auf Basis des großen Datenschatzes mag es so manches suggerieren. Doch die Schlüsse für sein eigenes Leben kann und soll jede/r für sich selbst ziehen.

Naturwissenschaft/Technik:

Thomas Hofmann: „Abenteuer Wissenschaft. Forschungsreisende zwischen Alpen, Orient und Polarmeer“ (Böhlau Wien)

Geologen auf Forschungsreise bekommt man selten zu Gesicht, Aufzeichnungen von ihnen sind rar: Denn ermüdende Abenteuer und abendliche Niederschriften vertragen sich nicht gut. Thomas Hofmann, Bibliotheksdirektor der Geologischen Bundesanstalt in Wien, versammelt Erlebnisberichte aus zwei Jahrhunderten. Mit dem Schwerpunkt auf österreichische Wissenschaftler, aber durchaus auch über die Landesgrenzen hinaus – etwa mit der Antarktisexpedition des Norwegers Roald Amundsen –, liest sich dieses Buch als abwechslungsreiches Konvolut wissenschaftlicher Abenteuer-Anekdoten. Wer also wissen will, wie Wissenschaft funktioniert, der folge Hofmann durch das Himalaya-Gebirge, die mongolische Steppe, das karibische Meer, den nigerianischen Regenwald, hinein in den Alltag der Feldforschung, der alles andere als alltäglich ist.

Medizin/Biologie:

Martin Hartmann: „Vertrauen. Die unsichtbare Macht“ (S. Fischer)

Vertrauen ist flüchtig und widersprüchlich. Sobald man anfängt darüber nachzudenken, löst es sich immer weiter auf. Im Zeitalter von Fake News, Terror und Pandemie scheint es außerdem selten geworden zu sein. Steckt das Vertrauen in der Krise? Der Philosoph Martin Hartmann analysiert dieses Gefühl, das die Welt im Innersten zusammenhält und attestiert ihm ein großes Dilemma: Vertrauen klingt gut, doch niemand will es wirklich. Denn dafür müsste man auch bereit sein, sich verletzlich zu zeigen und das möchte so schnell niemand. Aus nächster Nähe beleuchtet Hartmann diese scheinbar unvereinbaren Eigenschaften, gemeinsam mit dem System von Werten und Vorstellungen unserer Gesellschaft, in das es eingebettet ist, und bietet aufschlussreiche und erstaunliche Einblicke in die „unsichtbare Macht“.

Junior Wissen:

Nikola Kucharska: „Ausgestorben. Das Buch der verschwundenen Tiere“ (Ravensburger), ab 8

Die Zeichnungen der polnischen Illustratorin Nikola Kucharska muss man gesehen haben! Das ernste und bedrückende Thema der ausgestorbenen Tiere lockert sie mit ihren Illustrationen auf so charmante Art und Weise auf, dass das Lachen auf jeder Seite garantiert ist. Die Liste der verschwundenen Tiere ist leider ganz schön lange und wird immer länger. Lehrreich, informativ und brandaktuell begleitet „Ausgestorben. Das Buch der verschwunden Tiere“ Kinder ab acht Jahren durch den Dschungel vergangener Tierarten. Darunter zu finden sind nicht nur Dinosaurier und Mammut, sondern auch Quagga, Tarpan oder Smilodon, von denen man vielleicht zum ersten Mal hört. Ein aufwendig und wunderschön gestaltetes Buch – nicht nur für die Kleinen.


Weitere Informationen unter www.wissenschaftsbuch.at