Ende November ist es wieder an der Zeit, sich voll und ganz der literarischen Welt zu verschreiben. Foto: Nicola Monfort
Über fünf Tage hinweg hat die BUCH WIEN auch im Herbst 2026 wieder ein Programm kuratiert, das keine Wünsche offenlässt. Neben den alljährlichen Publikumsgesprächen, Q&As und Debatten werden die beliebten »Live-Podcasts« heuer weiter ausgebaut – mit dabei sind unter anderem Formate von DER STANDARD, NDR und DIE ZEIT. Besonders hervorzuheben ist die Teilnahme der beiden Nobelpreisträger/innen László Krasznahorkai (Literatur) und Oleksandra Matviichuk (Frieden). Betrachtet man die Namensliste noch etwas genauer, finden sich dort außerdem internationale Größen wie Tash Aw, Sharon Dodua Otoo und Claudia Durastanti sowie nationale Bekanntheiten wie Renate Welsh, Birgit Birnbacher und Paulus Hochgatterer.
Durch die Messe zieht sich heuer der Themenschwerpunkt »Update Ukraine« und behandelt damit Buchprojekte ukrainischer Künstler/innen, deren Entstehungsprozess unter Kriegsbedingungen und die Zukunft des Landes. Die BUCH WIEN setzt damit noch stärker auf mittel-, ost- und südosteuropäische Literatur.
BUCH WIEN Messe und Festival
Vom 25. bis 29. November 2026
Halle D, Messe Wien
Die BUCHKULTUR-Redaktion hat eine Auswahl an persönlichen Messe-Highlights heimischer Autor/innen zusammengestellt, für alle, die ihre Vorfreude auf die BUCH WIEN kaum noch zügeln können:
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Johanna Sebauer
Die Burgenländerin hat mit »Nincshof«, einer skurrilen Geschichte aus ihrer Heimat, für Aufsehen gesorgt; der Text »Das Gurkerl« wurde beim Bachmann-Wettbewerb 2024 mit dem Publikumspreis belohnt. Und nun also ihr zweiter Roman, in dem sie das Doppelgänger-Motiv aufgreift: Hendrik Popom, nach Selbstaussage »ein unerträglich patscherter grünschnäbliger Kerl«, Ende zwanzig, ist der Ich-Erzähler. Er trifft eines Abends auf Hendrik Popóm, eine etwas ältere, elegantere Version seiner selbst: »Dieser Mann war ich«. Bevor er sich aber diesem Problem widmen kann, muss er erst einmal die Trennung von seiner Freundin Anja verkraften.
Konrad Holzer in BUCHKULTUR Sonderheft Österreich 228a
Johanna Sebauer
Popóm
DuMont, 224 S.
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Birgit Birnbacher
In wenigen Strichen skizziert Birnbacher das Porträt einer Familie, in der sich die »Unrast« von Generation zu Generation vererbt, diese »Unrast jener, die das richtige Leben am falschen Ort durchziehen, aber bei vollem Bewusstsein.« Ja, Mutter Ann war früher ein wildes Kind gewesen, aber keiner wäre auf die Idee gekommen, sie wegen »ein bisschen Energie« zum Arzt zu bringen. Heute sind sie beide in Behandlung, Mutter und Sohn, um »mit Geduld mit ihrer Wesensart im Alltag besser umzugehen«, die Pillen dabei stets griffbereit in der Tasche. Und hier ist sie wieder, diese unkomplizierte Leiwandheit, mit der Birgit Birnbacher ihre Geschichten erzählt, ohne großes Tamtam, selbst wenn es ans Eingemachte geht, immer ein wenig Understatement, immer ein wenig Humor, und niemals zu wenig Mitgefühl und Herzensgüte.
Barbara Kadletz in BUCHKULTUR 225
Birgit Birnbacher
Sie wollen uns erzählen
Zsolnay, 224 S.
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Josef Winkler
Diesmal sind es nicht die rauchenden Scheiterhaufen im indischen Varanasi, diesmal taucht der Büchner-Preisträger aufs Neue in Blut und Jauche seiner Kärntner Kindheit und Jugend ein. Er scheint all das, »Schmerz und Trauer, Unglück undGewalt«, noch nicht bewältigt zu haben. Wie schon in seinem ersten, nahezu 50 Jahre alten Buch »Menschenkind« (Suhrkamp, 1979), holt er seine Lebensmenschen wieder hervor: Neben der stummen Mutter und dem allgegenwärtigen Vater (»Lass dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe«, Suhrkamp, 2018), der ihm Erzfeind ist und nie Erzfreund wurde, rückt nun die Schwester Maria, genannt »das Mitzele«, zur Begleiterin seines Lebens auf.
Konrad Holzer in BUCHKULTUR 225
Josef Winkler
Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht
Suhrkamp, 431 S.
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Paulus Hochgatterer
Paulus Hochgatterer hat sich Zeit gelassen für sein neues Buch »Mio und die Unsterblichkeit«. Und es hat sich ausgezahlt, darauf zu warten. Mio ist in Hochgatterers Buch eine Katze mit neun Leben, die zuerst Maid Marian heißt, dann aber von Ingemar, dem Ich-Erzähler des Romans, umgetauft wird. Ingemar hat SMA Typ 2, also spinale Muskelatrophie. Der Junge denkt gerne philosophisch, das hat er schon als Kind gemacht. Jetzt schreibt er alles auf. Hochgatterer drückt nie aufs Gefühl, da ist sein Held sehr streng mit sich, wenn es um »Kitschdinge« geht. Zur Katze Mio nur so viel, dass ihr der letzte Satz gehört: »Es ist völlig egal, ob sie gerade ein Leben verbraucht hat oder nicht.« Ja, und dann ist das Buch zu Ende, aber noch lange nicht die Beschäftigung damit.
Konrad Holzer in BUCHKULTUR Sonderheft Österreich 228a
Paulus Hochgatterer
Mio und die Unsterblichkeit
Zsolnay, 144 S.
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Elias Hirschl
Skurrile, den Wissenschaften zugewandte Figuren sind in jüngster Vergangenheit oft im Zentrum österreichischer Neuerscheinungen gestanden, etwa in Romanen von Raphaela Edelbauer oder von Clemens J. Setz. Nun schlägt Elias Hirschl in dieselbe Kerbe: Sein Roman »Schleifen« erzählt von Franziska Denk, die im Umfeld des Wiener Kreises aufwächst und mit einem heimtückischen Leiden zu kämpfen hat: Sobald sie von einer beliebigen Krankheit liest oder hört, bricht diese sofort in ihr aus. Sie bemerkt aber, dass einzelne Wörter aus toten Sprachen ihre Beschwerden lindern, daher saugt sie jede Sprache auf wie ein Schwamm. Sie wird ein Leben lang nach der perfekten Sprache suchen und dabei herausfinden, welche Macht man mit Sprachen ausüben kann.
Andreas Knabl in BUCHKULTUR 224
Elias Hirschl
Schleifen
Zsolnay, 416 S.
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Xayer Bayer
Veit ist aufs Land gezogen, Dora in der Stadt geblieben. Sie schreiben einander Briefe, keine Mails, keine Telefonate. Ein Experiment? Aufgestaute Gedanken über die Welt als globale Haftanstalt: Xaver Bayer spielt gerne mit literarischen Formen und widmet sich diesmal einer ganz »unzeitgemäßen«. »Metaphysische Schwindelgefühle«, wie Michael Braun in der FRANKFURTER RUNDSCHAU über Xaver Bayer schrieb, sind in »Hauch« nicht zu erwarten, der Titel ist ja auch schon leise. Es entwickeln sich aber daraus Blicke auf die Welt und (unlösbare) Fragen, wie ihr zu begegnen: ausweichen, eine Depression entwickeln oder der Wut freien Lauf lassen? Auf jeden Fall bemerkenswert, dieser Briefroman um der Form willen.
Maria Leitner in BUCHKULTUR 225
Xaver Bayer
Hauch
Jung und Jung, 224 S.
