Das mit dem Lesen war in meinem Leben immer so eine Phase. Als Volksschulkind hab ich es geliebt, im Gymnasium mochte ich es zunächst auch noch, irgendwann ist mir die Lust aber vergangen. Weil mich andere Sachen (Mädchen, Ausgehen, Musik) dann mehr interessiert haben und die Bücher die wir in der Schule lesen mussten meistens in unverständlicher, weil sehr veralteter Sprache geschrieben waren und die Themen in diesen Büchern größtenteils nichts mit meinem Leben zu tun hatten. Irgendwann nach der Matura wurde mir aber bewusst, dass es auch aktuelle Literatur – von annähernd gleichaltrigen Menschen geschrieben – gibt, die zu lesen mir wieder Spaß gemacht hat.

„... bei einem guten Buch bleibe ich dann auch viel länger als nötig auf der Klobrille sitzen ...“

Seitdem lese ich viel und gerne, aber hauptsächlich in öffentlichen Verkehrsmitteln und am Klo sitzend (wobei ich bei einem guten Buch dann aber auch viel länger als nötig auf der Klobrille sitzen bleibe) oder im Sommer im Schwimmbad. Lesen ist nicht meine liebste Freizeitbeschäftigung, ich schaue dann doch lieber einen Film, koche oder verbringe Zeit auf sozialen Medien. Wenn ich ausgehe, dann sind das meistens Sachen die nichts mit Literatur zu tun haben. Ein Konzert- oder Kabarettbesuch garantiert in den meisten Fällen einfach mehr Spaß als eine Lesung, weil die meisten Schreibenden einfach keine Entertainer sind. Bücher sind schon ein wichtiger Teil in meinem Leben, aber es ist auch immer eine gewisse Überwindung, eines in die Hand zu nehmen. Lesen ist eben immer etwas mühsam und strengt einen an.

Aber in einer Wiese unter einem Baum zu sitzen und zu lesen kann schon auch sehr super sein. Es kommt immer auf das Buch an. Was das Lesen von gedruckten Büchern und Zeitschriften für mich aber so angenehm und „entschleunigend“ macht: Man muss sich weder mit einem leeren Akku, noch mit einer schlechten Wi-Fi-Verbindung oder sonstigen möglichen technischen Gebrechen auseinandersetzen. Lesen funktioniert einfach und es funktioniert immer – und das ist in der heutigen Zeit eine Seltenheit.

Clemens Ettenauer, geboren am Land, seit 2007 in Wien. Nach der Matura Lehre zum Verlagskaufmann, 2010 gründete er den Holzbaum Verlag. Seit Februar 2012 Geschäftsführer der Komischen Künste Wien, 2013 rief er die Indie-Buchmesse Buch-Quartier ins Leben.