19.02.2018
  • Adam Haslett kommt nach Deutschland und in die Schweiz
  • Adam Haslett rückt einem ganz nah, die Intensität seiner Geschichte nimmt manchmal beängstigende Formen an“ – so beschreibt Konrad Holzer in der aktuellen Buchkultur Nr. 176 die Wirkung von „Stellt euch vor, ich bin fort“, dem neuen Roman des kommenden Stars der amerikanischen Literaturszene, wenn man den dortigen Medien glauben darf. Mit diesem zweiten Roman wurde der New Yorker nämlich für den prestigeträchtigen National Book Award sowie den National Book Critics Circle Award nominiert, nächste und übernächste Woche kommt er nun für eine Lesereise in den deutschsprachigen Raum.

    Die einzelnen Termine:

    27. Februar um 20 Uhr in Tübingen, Museum
    28. Februar um 20 Uhr in Freiburg, Weingut Andreas Dilger
    1. März um 20 Uhr in Zürich, Kosmos Forum
    2. März um 20 Uhr in Frankfurt, Romanfabrik
    5. März um 19:30 Uhr in Leipzig, Literaturhaus
    6. März um 19:30 Uhr in Hamburg, Literaturhaus
    7. März um 20 Uhr in Berlin, Palais der Kulturbrauerei
    8. März um 21 Uhr in Köln, WDR Funkhaus

16.02.2018
  • Frankfurter Verlage laden zum „Langen Tag der Bücher“ am 18.2.
  • Seit 2004 veranstalten die Frankfurter Publikumsverlage an einem Sonntag im Winter bei freiem Eintritt einen großen Lese-Marathon, der als Langer Tag der Bücher dieses Jahr am 18.2. im Haus am Dom sein fünfzehnjähriges Jubiläum feiert. Es moderieren einige Verleger selbst, aber auch die Literaturveranstalter der Stadt. Gleichzeitig findet im Foyer des Hauses am Dom der Frankfurter Bouquinistenmarkt mit antiquarischen Büchern von 11 bis 18 Uhr statt.

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    Zeitplan Langer Tag der Bücher 18.2.18, 11-21 Uhr

    11.15 Uhr: Henrich Editionen: „Das Haus der Brentano. Eine Romanchronik" mit Episoden aus dem Leben von Bettine und Clemens Brentano.

    12 Uhr: Stroemfeld Verlag: Roland Reuss und Peter Staengle stellen die handschriftliche Neuausgabe von Franz Kafkas „Schloss" vor.

    13 Uhr: Dielmann Verlag: Der 92jährige Hilmar Hoffmann berichtet in seinem 50. Buch aus seinen ersten Lebensjahrzehnten.

    14 Uhr: Der Verlag der Autoren präsentiert den Flüchtlings-Roman „Morgenland" von Luise Rist.

    15 Uhr: Michason & May: Betty Kolodzy liest aus dem Roman „Ali, der Tinnitus und ich", in dem eine Lebenskünstlerin einen Migranten aufnimmt.

    16 Uhr: Der S. Fischer Verlag lädt die Hamburger Journalistin und Autorin Susanne Kaloff mit „Nüchtern betrachtet war es betrunken auch nicht so berauschend" nach Frankfurt ein.

    17 Uhr: Der Societäts-Verlag stellt den Krimi „Holbeinsteg" von Ralf Schwob vor, der in Frankfurt spielt.

    18 Uhr: Die Frankfurter Verlagsanstalt präsentiert die lokale Autorin Britta Boerdner mit ihrem neuen Roman „Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam".

    19 Uhr: Die Edition Büchergilde präsentiert die von Philip Waechter illustrierte Neuausgabe von Jakob Arjounis „Happy Birthday, Türke", es liest der türkische Schriftsteller und Filmemacher Su Turhan.

    20 Uhr: Weissbooks schickt den Poetry Slammer Jey Jey Glünderling auf die Bühne, der mit „Traumberuf Marktschreier" eigene Texte vorstellt.

15.02.2018
  • Clever & Smart sind wieder da
  • In den 1970ern und 1980ern waren die beiden Chaos-Agenten Fred Clever und Jeff Smart Kult, zum 60. Geburtstag lässt der Carlsen Verlag das Duo wieder auferstehen: Sprachlich modernisiert und in chronologisch korrekter Reihenfolge werden die Abenteuer von Clever & Smart 2018 nach und nach neu aufgelegt. Auch gänzlich neue Bände sind in Planung.

    Ursprünglich stammt die Comicserie aus Spanien, wo Francisco Ibáñez 1958 die ersten Folgen von „Mortadelo y Filemón“ anfänglich als Sherlock Holmes-Parodie konzipierte, jedoch mit dem Umschwenken auf James Bond den weltweiten Markt eroberte. So erschienen zwischen 1973 und 2004 allein auf Deutsch ca. 35-50 Millionen „Clever & Smart“-Bände.

14.02.2018
  • Navid Kermani mit neuem Reisetagebuch im Wiener Burgtheater
  • 2005 sprach er schon im Wiener Burgtheater zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung zum Thema „Nach Europa“, nun kehrt Navid Kermani am 28. Februar 2018 wieder in die Akademie der Burg zurück mit seinem neuen Buch „Entlang der Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan“ (C.H.Beck). Kermani erzählt darin von seiner Reise von Schwerin über Tschernobyl, die Ukraine, Russland, Georgien, Aserbaidschan, Armenine in den Iran bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern, und den Begegnungen mit den Menschen entlang des Weges (siehe Buchkultur 176, Seite 19). Lesen wird Philipp Hauß, das Gespräch mit Kermani führt Philipp Blom.

    Mittwoch, 28. Februar 2018, 20 Uhr
    Akademie/Burgtheater

    Tickets ab EUR 3,50 für diesen Abend sind noch hier erhältlich!

13.02.2018
  • Usch Luhn im ausführlichen Interview
  • Unzählige Kinder- und Jugendbücher stammen aus ihrer Feder. Mit Serienerfolgen wie „Nele“ oder „Ponyherz“ hat sie sich unwiderruflich in die Herzen kleiner Leseratten geschrieben: Usch Luhn. Trotz hartnäckiger Grippe hat die beliebte Autorin vom Krankenbett aus Andrea Wedan ein ausführliches Interview gegeben. Lesen Sie hier die ungekürzte Fassung.

    Sie schreiben für Kinder und Jugendliche. Wie war Ihre eigene Kindheit und Jugend?

    Ich bin in der Steiermark geboren, in Krieglach, der Waldheimat von Peter Rosegger. Meine Eltern waren sehr jung, als ich zur Welt kam und ich war auch nicht ‚geplant’, die Eltern nicht verheiratet. Deshalb bin ich gleich in die Obhut der Großeltern (mütterlicherseits) gekommen. Die waren beide noch berufstätig. Die Großmutter als Köchin im Gasthaus, der Großvater als Arbeiter bei Voest Alpine. Die anderen Großeltern wohnten aber auch im Dorf und ich hatte gleichermaßen Kontakt zu ihnen wie auch zu den jüngeren Brüdern meines Vaters, zu denen ich eine sehr enge Bindung (wie meine eigenen großen Brüder) aufbaute.
    Als ich geboren wurde, studierte mein Vater noch und meine Mutter hatte, sehr ungewöhnlich für ein Arbeiterkind, Matura in Graz machen können. Sie hatte ganz andere Träume als Familie und Kinder und so ergriff sie die Gelegenheit, mit meinem Vater ins Ruhrgebiet auszuwandern, als ich kaum drei Jahre alt war.

    Und so spielten Ihre Großeltern für Sie eine besondere Rolle ...

    Genau, denn ich selber blieb bei den Großeltern und sah meine Eltern, die tausend Kilometer von mir entfernt wohnten, von dem Moment an nur ein- bis zweimal im Jahr. Auch wenn ich das selber nie machen würde mit meinem eigenen Kind: Für mich war es im Nachhinein betrachtet sicher ein Glück, denn ich wuchs eigentlich in/mit einer turbulenten Großfamilie auf. Zweimal Großeltern, Onkel und Großonkel und jede Menge anderer Verwandtschaft, die zu den katholischen Festtagen aus Amerika, Ungarn, Jugoslawien (Slowenien, Kroatien), Südtirol anreiste und jeden freien Winkel der zwei Wohnungen belegte, Geschichten und Abenteuer erzählend. So betrachtet hatte ich eine ganz wunderbare Kindheit, als einziges Kind in der großen, bunten, lustigen Familie.
    Mein Großvater mütterlicherseits hatte bereits einige Abenteuer erlebt. Er war während seiner Schneidelehre durchgebrannt, hatte sich bis Hamburg durchgeschlagen und war dann einige Jahre zur See gefahren. Das Meer blieb immer seine heimliche Liebe und eine große Liebe hatte er auch in Hamburg kennengelernt – und sich verlobt. Das Aufgebot war schon bestellt, als er doch wieder zurück nach Krieglach zog. Warum, bleibt leider ein Mysterium und es gibt viele Gerüchte darüber. Da er nie explizit über den Grund seiner Rückkehr geredet hat, werde ich das leider auch nie erfahren. Vielleicht bekam er kalte Füße, vielleicht war die Fremde doch zu fremd? Er hat dann aber schnell meine Großmutter geheiratet, die er schon vorher gekannt hatte und die damals ‚in Stellung’ war. Erst kurz verheiratet, erfuhr er vom Hamburger Jugendamt, dass seine Ex-Verlobte seinen Sohn geboren hatte. Meinen Onkel Helmut, der auch heute noch in Hamburg lebt. Da die Ex nie wieder Kontakt wollte (aber schon Alimente) hat mein Großvater seinen Sohn erst kennengelernt, als dieser volljährig war und selber entscheiden konnte. Wieder zurück in Krieglach zog es den Großvater in die Berge (Freeclimber würde man heute sagen, er war echt mutig, ein richtiger Draufgänger) und solange ich bei meinen Großeltern wohnte, war er mit mir fast jeden Tag im Wald oder auf dem Berg.

    Das klingt trotz der Umstände nach einer erfüllten Kindheit.

    Es hätte immer so weitergehen könnten für mich, aber dann wurde ich mit elf Jahren nach Deutschland umgesiedelt. Anders als es heute üblich wäre, hat man nicht mit mir darüber geredet, es wurde einfach bestimmt. „Das Kind gehört zu den Eltern“ hieß es. Kann auch sein, dass meine Eltern dachten, dass ich in Deutschland eine bessere Ausbildung bekommen würde. Ganz ehrlich: Ich denke, wir haben uns beidseitig vorher nicht vermisst, wie sollte das auch sein? Ich hatte ja alles in Österreich, und meine Eltern hatten es sich in Deutschland gemütlich eingerichtet.

    Also eine große Veränderung für alle Beteiligten ...

    Letztlich war mein Ortswechsel für alle (Eltern, Großeltern, Freunde und mich) ein Schock und eine große Belastung. Meine Mutter hatte bislang im Büro gearbeitet, gab ihren Job auf, litt darunter, war schlecht drauf. Ich vermisste meine vertraute Umgebung und hasste die neue, auch wenn ich schnell Freundinnen auf dem Mädchengymnasium fand, das ich besuchte. Mein Vorteil: die österreichische Schulbildung. Ich war viel weiter mit dem Stoff als die deutschen Kinder, so konnte ich mich in Ruhe einleben, trotz des Sprach-Handicaps. Österreich-Hochdeutsch und Deutschland-Hochdeutsch ist einfach sehr anders, egal was behauptet wird. Ich bastelte mir einen Kalender, der bis zur Volljährigkeit ging und strich jeden Tag einen durch. Denn für mich war klar, sobald ich über mich selber bestimmen darf, geht es wieder zurück nach Krieglach. Durch den ersten Freund kam es anders. Der wollte nach Berlin nach dem Abitur und das fand ich cool, weil es sehr weit weg von meinen Eltern und dem Ruhrgebiet war. So zog ich nach Berlin, ohne die Stadt vorher ein einziges Mal besucht zu haben (und bin immer noch dort).

    Würden Sie also rückblickend sagen, dass Ihre Kindheit glücklich oder unglücklich war?

    Ihre Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich denke, ohne Eltern aufzuwachsen, ist erstmal ein Mangel. Trotzdem habe ich das erlebt, was man Resilienz nennt. Ich bin in meiner Kindheit von Menschen erzogen worden, die mir ihre Liebe geschenkt und gezeigt haben und auf dieses stabile Gefühl kann ich heute noch zurückgreifen. Ich habe viel mehr erlebt und gehört (die vielen Geschichten, das Geschichtenerzählen der Älteren), als mir meine jungen Eltern in der Fremde geben hätten können.

    Wie haben Sie entdeckt, dass Sie gerne Kinderbücher schreiben würden?

    Mein Wunsch, beziehungsweise der Wille, Geschichten aufzuschreiben, kommt einerseits aus einer undefinierbaren Sehnsucht, aber auch aus einer Lust am Fantasieren und der Erfahrung, dass Leute gerne Geschichten erzählen. Wenn die Verwandten da waren, habe ich unter dem Tisch gesessen, man hat mich dort vergessen, die Erwachsenen haben erzählt und getrunken und ich war total fasziniert davon. Meine Jugend im Ruhrgebiet fand ich hingegen sehr ‚arm’ und ‚trostlos’ und einsam und öde. Ich bin in die innere Emigration gegangen und habe mich in meine ganz eigene Fantasie- und Geschichtenwelt hineingeräumt, habe sehr viel gelesen und Klavier gespielt und war ganz einfach ‚weg’. Meine Eltern ließen mich in Ruhe, solange die Noten gut waren, sie fragten nichts, und so lebten wir in einer absoluten Parallelwelt.

    Wie ging es dann in Berlin weiter?

    Berlin. Fand ich anfangs sehr groß und gruselig, aber auch aufregend. Ich studierte Germanistik und Kommunikationswissenschaften und bekam durch einen Zufall ein Praktikum beim Kinderfernsehen. Dort fand ich es eher langweilig, aber ich jobbte ab dann parallel zum Studium beim SFB Radio, in der Kultur/Literatur. War dort das junge, unbedarfte Küken und lernte total interessante Autoren und DDR Schriftsteller kennen. Ich schrieb kleine Geschichten, Essays, aber nur für mich. Da die Leute um mich herum so berühmt waren, traute ich mich nicht, meine Texte jemandem zu zeigen. Allerdings gehörte es auch zu meinen Aufgaben, Texte zu lektorieren, auch Filmdrehbücher. Oft fand ich diese nicht gut und schrieb sie deshalb im Lektorat einfach um (mir war nicht klar, dass ein Lektor so etwas gar nicht durfte). Es ist aber nie jemandem aufgefallen, jedenfalls wurde ich deshalb nicht ermahnt. Dann verliebte ich mich in einen Kollegen und bekam eine Tochter, mit sechsundzwanzig. Meine Eltern waren darüber übrigens so entsetzt, dass sie ein halbes Jahr lang nicht mit mir redeten. Nur meine Großmutter, die damals noch lebte, unterstützte mich finanziell. Die Beziehung mit dem Kindsvater scheiterte und ich war alleinerziehend, mit einer Zweijährigen und machte erstmal meinen Studienabschluss. Den Umgang mit Drehbüchern war ich ja gewohnt. So bewarb ich mich mit einem Exposé, in dem ich die Matrosengeschichte meines Großvaters fiktionalisierte, auf ein einjähriges Stipendium beim Berliner Kultursenat zur Drehbuchausbildung. Als ich es überraschend bekam, ließ ich mich von meinem Job beurlauben und begann die Ausbildung zur Drehbuchautorin. Nach dieser Ausbildung war mir zwar klar, wie schwer es sein würde, in dieser Branche einen Text zu landen, aber ich wollte da unbedingt weitermachen und so kündigte ich meine feste Stelle beim SFB und machte fortan dort nur noch Vertretungen, um unser Leben finanzieren zu können. Das Drehbuch über meinen Großvater kriegte ich nicht verkauft, zu speziell und wenn es ein Fernsehstoff sein soll, braucht es ja, wie ich nunmehr weiß, immer einen örtlichen Senderbezug. Ich hielt mich also mit journalistischen Arbeiten, Lektoraten und filmdramaturgischen Jobs über Wasser, immer zusehend, dass ich die Arbeit mit der Versorgung meiner Tochter koordiniert bekomme. Ich hatte ja niemand, der mich mal entlastete, Babysitter musste ich bezahlen.

    Eine schwierige Zeit also für Sie ...

    Das war keine einfache Zeit, aber irgendwie klappte es immer. Wir lebten sehr spartanisch, in einer winzigen Wohnung ohne Ansprüche oder Ferienreisen. Aber wie mir meine Tochter heute versichert, hatte sie nicht das Gefühl, dass sie zu kurz kam. Ich las sehr viel vor, wir gingen zusammen in die Bücherei, ins Kindertheater, ins Kinderkino und unternahmen viele Dinge zusammen, die nichts oder wenig kosteten. In dieser Zeit begann ich Kindergeschichten zu schreiben.

    Wie kam es dann zur Veröffentlichung? Dies ist ja für viele Autorinnen und Autoren die erste große Hürde.

    Da ich offensichtlich immer noch recht naiv und optimistisch war, schickte ich die ersten Seiten einer Geschichte, die ich mir ausgedacht hatte, einfach an sechs Kinderbuch-Verlage, deren Adressen ich mir auf der Post aus öffentlichen Telefonbüchern herausschrieb. Damals war ich schon mit meinem Freund zusammen, den ich über die Drehbuchausbildung kennengelernt hatte, ein Filmhochschulabsolvent aus Berlin, der in Ostfriesland geboren war. Er drehte seinen ersten Spielfilm in Ostfriesland und ich konnte in der Produktion mitarbeiten, so dass ich eigentlich gar keine Zeit hatte, als sich per Brief eine Lektorin vom Ueberreuter Verlag meldete, die mir ein positives Feedback zu dem Text gab und fragte, ob das Buch schon fertig wäre. Es dauerte dann noch ein gutes halbes Jahr, bis ich mich traute, das Buch fertig zu schreiben. Es wurde mein erstes „Svantje, ganz schön cool“ und war inspiriert von den Erlebnissen meiner Tochter in der Schule. Zu ploten fiel mir immer leicht und ich hatte ja schon Zettelberge an Ideen, die ich nie jemandem gezeigt hatte und aus denen ich mich nun für weitere Projekte und Exposés bedienen konnte.

    Woher holen Sie sich diese Ideen?

    Es sind keine Geschichten aus meiner eigenen Kindheit, sondern ich beobachte einfach wahnsinnig gerne und schreibe alles auf, was ich sehe und interessant finde. Da kommt einiges zusammen. Mir ist beim Schreiben sehr wichtig, dass die Storys im guten Sinne ‚modern’ sind, von Menschen ‚heute’ erzählen, mit Themen und Problemen der Gegenwart. Das gilt natürlich besonders bei Jugendbüchern und den Mädchenbüchern ab zwölf. Trotzdem wird es sicherlich so sein, dass Witz und Komik, Stimmungen und Humor Wurzeln in meiner Kindheit und dem, was ich damals erlebt habe, haben. Ich liebe es sehr, wenn es in den Geschichten turbulent zugeht, weil ich diese Stimmung ‚viele Leute kommen zusammen und erzählen und übertrumpfen sich im Geschichten erzählen’ als Kind immer so faszinierend fand.

    Und dann ist Ihre Faszination zum Beruf geworden ...

    Mir ist klar, dass ich als Autorin total privilegiert bin. Bis auf meinen ersten Buchentwurf, den ich ja herumgeschickt habe, ist es danach immer so gewesen, dass Lektoren oder Verleger auf mich aufmerksam wurden, mich kontaktierten und mit mir arbeiten wollten. Ich bin ein Teamplayer und entwickle einfach sehr gerne Geschichten im Dialog. Wenn Freundschaft und Vertrauen mit einer Lektorin entstehen, sind das meiner Meinung nach fantastische Voraussetzungen für ein gutes Buch. Ich erkenne in jedem Buch auch ein wenig das Wesen meiner Lektorin wieder. Und je nach Input wird die Geschichte dann zart oder wild, verrückt oder versponnen, bodenständig oder elfenhaft, traurig oder schon mal gefährlich. Ich glaube sowieso, dass die Leistung von Lektoren von der Branche bzw. den Verlegern stark unterschätzt wird. Mit einem Lektor nicht auf einer Welle zu schwimmen und das womöglich erst in der Schreibphase zu merken, ist echtes Pech.

    Wo befindet sich jetzt eigentlich Ihr Lebensmittelpunkt?

    Meine Tochter ist in Berlin aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat dann in München studiert und ist nun dreißig, wieder in Berlin und macht ihren Doktor in Literaturwissenschaften. Sie hat nie in Ostfriesland gelebt, sondern dort nur viel Zeit verbracht – und ist immer noch gerne an der Nordsee. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, sie auf dem Dorf aufwachsen zu lassen, weil ich es besser fand, ihr zwar ein Gefühl zu geben, wie das Landleben ist, sie aber lieber freier und viel früher autonom in der Großstadt aufwachsen zu lassen. Ich selber habe mich nach dem Auszug meiner Tochter entschlossen, den Lebensmittelpunkt zu wechseln und auszuprobieren, wie es ist, längere Perioden auf dem Lande zu verbringen und dort zu arbeiten. Tatsächlich bin ich ja sehr viel unterwegs, ich unterrichte in Dortmund Drehbuch und bin ansonsten sehr häufig auf Lesereisen. Berlin ist nun nicht meine Filmstadt, sondern mein privater Ort, genauso ein Rückzug wie die Nordsee, nur mit der Option, aus der Wohnung über die Straße gehend gleich in einem Kaffeehaus zu landen. Diese Art von gemütlicher Infrastruktur gibt es in Ostfriesland gar nicht.

    Und was schätzen Sie am Landleben?

    Wenn ich aus dem Fenster schaue, beim Schreiben, sehe ich in einen großen Garten mit Bäumen, die zum Teil schon 150 Jahre alt sind, da kommen schon mal Rehe vorbei oder ein verirrtes Pony, oder ein Kälbchen, das von der Weide ausgerissen ist und sehr viele seltene Vögel. Was ich daran mag, hier mitten im Vogelschutzgebiet zu leben, ist die ungebändigte Natur, das Gefühl der Zeitlosigkeit und die Jahreszeiten zu spüren. Und ja, auch hier gibt es Schnee und Eis im Winter, jedenfalls manchmal. Das ist dann besonders schön. Ach, und dann gibt es noch fünf Hofkatzen und zwei Hauskatzen – einen Norweger und einen Siamkater. Die Hauskatzen gehören eigentlich meiner Tochter und ich habe sie in Pflege genommen, weil ihre Wohnung in Berlin zu klein ist.

    Apropos Drehbuch. Wie sieht es eigentlich mit Ihrem eigenen Drehbuchschreiben aus?

    Das eigene Drehbuchschreiben verlor ich aus Zeitgründen aus den Augen, nachdem ich zwei meiner Kinderbücher adaptiert habe und sogar mal für einen Drehbuchpreis nominiert war. Einen Film zu realisieren dauert ja oft jahrelang und man ist sehr viel abhängiger von anderen Menschen als beim Buchschreiben. Aber gerade versuche ich wieder im Drehbuch Fuß zu fassen mit einem neuen Stoff, der auf realen Ereignissen beruht: einem Kriminalfall in Ostfriesland, dieses Mal ein Stoff für Erwachsene.

    Ich habe gelesen, dass Sie einen Hang zu alten Schreibmaschinen haben ...

    Schreibmaschinen: Ja, die sammle ich, aber ich schreibe nicht im Zehn-Finger-System und die Manuskripte für die Bücher schon gar nicht, die müssen ja als Datei abgegeben werden. Ich schreibe meine Texte erst mit der Hand, dann erst irgendwann in den Computer hinein. Ich Schreibmaschinen sammle ich eher nach optischen Kriterien und mich interessieren die Marken, auf denen in vergangenen Zeiten bekannte Schriftsteller geschrieben haben. Ich habe zum Beispiel einige Hermes Baby, sehr schöne Reiseschreibmaschinen. Ich vermute, dass ich ein Faible für Schreibmaschinen habe, weil ich als Kind (erste Klasse) auf einer roten Schreibmaschine meines Großvaters Pixi-Bücher abgetippt habe, stundenlang.

    Und wenn Sie gerade mal nicht schreiben, was macht Ihnen sonst Freude?

    Radfahren (seit meiner Kindheit), stundenlang spazieren gehen, schwimmen, aber nicht im offenen Meer. Als Kind wäre ich fast ertrunken, deshalb lieber mit Beckenrand.

    Sind Sie politisch engagiert?

    Nicht aktiv, aber mit einer eindeutigen Meinung zur Klimakatastrophe, Umweltschutz, Kinderschutz im Allgemeinen und gleichberechtigte Mädchenförderung liegen mir besonders am Herzen. Die Protagonisten in meinen Büchern beinhalten tatsächlich auch ganz bewusst keinen „Quotenflüchtling“ usw. Mit solchen wichtigen Themen Umsatz zu machen, finde ich irgendwie unseriös. Dabei werde ich von Lesern und Menschen, mit denen ich über Buchthemen spreche, immer wieder aufgefordert, darüber zu schreiben. Freunde von mir haben indische Pflegekinder, aber dies aufzugreifen, käme mir nicht in den Sinn, das ist viel zu persönlich und privat. Trotzdem sind meine Figuren persönlich, denn sie enthalten viele Facetten von Kindern, die ich auf meinen Reisen kennenlerne. Sie sind eben keine reinen Kunstfiguren, sondern sie kommen aus dem richtigen Leben, sind fiktionalisiert und zusammengemixt aus vielen Erlebnissen und Begegnungen, die ich fast täglich habe. Ich verstehe mich da als Katalysator und transponiere „real live“ in Fiktion. Als mir ein Student ein Video über einen jugendlichen Rollstuhl-Rugbyspieler gezeigt hat, habe ich eine Geschichte für Teenager, eine Liebesgeschichte dazu erfunden und im Vorfeld natürlich außerordentlich lange recherchiert. Über Jugendliche mit Handicaps zu schreiben ist mir ein Bedürfnis, ich lese ja auch sehr gerne in der Kinderpsychiatrie oder vor autistischen Kindern bzw. Kindern mit rein körperlicher Behinderung. Diese Lesestunden sind immer besonders erfüllend für mich.

    Sie schreiben seit Beginn Ihrer Karriere nicht nur für Kinder, sondern auch für Jugendliche ...

    Ja, ein sehr wichtiges Buch für mich, das ich bei Ueberreuter geschrieben hatte, mit dem Titel „Unschuld“, war für das Lesealter ab 16, also junge Erwachsenen-Kategorie. Leider ist es durch den Umzug und Verkauf von Ueberreuter damals komplett untergegangen, was ich sehr bedauere. Ich will damit sagen, dass ich nicht nur für „Kleine“ schreibe, sondern auch sehr gerne für Heranwachsende, und da auch noch sehr viel mehr Themen auf Lager hätte. Zum Beispiel war ich sehr lange mit dem Thriller „Herzgespinst“ (cbt, ab 14) unterwegs. Bei den Büchern für Ältere kann man natürlich interessantere Erzählformen wie zum Beispiel „Unzuverlässiges Erzählen“ ausprobieren. Mich interessiert halt Sprache sehr und schwierige Themen, wie „zu etwas stehen, sich zu seinem Handeln bekennen“ oder auch psychotisch zu sein und zu handeln und damit ein absolutes Fiasko auszulösen. Der englische, leider früh verstorbene Schriftsteller Robert Cormier ist da ein ganz großes Vorbild für mich.

    Soeben erscheint der erste Band Ihrer neuen Kinderbuch-Serie „Luna Wunderwald“.

    „Luna Wunderwald“ habe ich geschrieben, weil meine Lektorin mitbekommen hat, dass ich immer viel von meiner Zeit als Kind im Wald erzählt habe. Die Spaziergänge mit dem Großvater in den Wald, oder Klettereien mit meiner besten Volksschulfreundin. Und obwohl ich nunmehr schon so lange in der Großstadt bzw. am Wattenmeer lebe, hat sich das „Wald-Gefühl“ beim Schreiben binnen Minuten wieder eingefunden. Ich glaube, wenn man seine Kindheit im Wald verbracht hat, kann man dieses Gefühl und den Geruch von Wald nie wieder vergessen. Ich konnte also ein Gefühl abrufen, dass bereits in mir drinnen war und das ich mir nicht ausdenken musste. Ich wünsche mir, dass beim Leser genau das passiert: Dass er die Magie und die Geheimnisse und den Duft des Waldes spürt. Denn inzwischen lassen Eltern ihre Kinder ja kaum noch alleine in den Wald gehen, aus gutem Grund – leider. Aber auch wenn man als Kind heutzutage nicht mehr losziehen darf, kann man es sich ja erträumen. So wie ich mir als Kind vorgestellt habe, dass ich mit Tieren sprechen könnte. Und genau das passiert meiner Luna in Luna Wunderwald, sie kann mithilfe der Flöte, die sie in einer geheimen Kammer unter dem Dach des Försterhauses findet, die Sprache der Tiere verstehen und ihnen helfen. Eine wunderbare Vorstellung, finde ich.

    Wir haben bereits eingangs erwähnt: Sie sind eine Vielschreiberin. Neben der neuen Serie erscheint auch ein Buch rund um den Kobold Murks ...

    Eine andere, aber genauso magische Wirkung hat der kleine Kobold Murks in meinem Buch „Alles Murks“. Darin muss sich Polly gegen ein paar fiese Jungs durchsetzen und ihren Respekt gewinnen. Murks taucht auf, als sich Polly in einer Krisensituation befindet. Er gibt sich als Schutzkobold aus, um Polly zu helfen, sich gegen die Jungs durchzusetzen und in ihre Katzenkopfbande, aufgenommen zu werden. Aber im Fortlauf der Geschichte stellt sich heraus, dass eher Murks Pollys Hilfe braucht, um eine für ihn unlösbare Aufgabe zu bewältigen. Also, erst durch den Kobold erkennt Polly, dass sie selber stark sein kann, wenn sie sich nur traut und an sich glaubt. Eine Art Coming-of-Age Geschichte für Jüngere also.

    Liebe Usch Luhn, vielen Dank für das Interview.

12.02.2018
  • Verlagsförderung auch für deutsche Verlage?
  • Die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen hat mehr als 60 unabhängige „Independent“-Verlegerinnen und Verleger eingeladen, um unter dem Header „Verlegen als künstlerisches Projekt?“ ihre aktuelle Lage, die Bedeutung für das kulturelle Leben und existenzsichernde Maßnahmen zu diskutieren.

    Eine besondere Rolle kam dabei der Frage nach, inwiefern Verlage in Deutschland zukünftig als Kulturanbieter finanziell gefördert werden sollen. Als Musterbeispiel wird hierzu oft auf die staatliche österreichische Verlagsförderung verwiesen, die Auszahlungen bis zu 130.000 € pro Verlag und Jahr vorsieht. Zum Abschluss wurde dazu auch eine gemeinsame Erklärung aller Beteiligten verfasst, die hier heruntergeladen werden kann.

    Zudem wird auf der Leipziger Buchmesse am 15. März um 14 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Reden wir über Geld! Förderung unabhängiger Verlage“ stattfinden. Die Teilnehmer am Podium sind Isabel Pfeiffer-Poensgen (Ministerin für Kultur und Wissenschaft NRW, Düsseldorf), Daniel Beskos (Mairisch Verlag, Hamburg), Anna Jung (Verlag Jung & Jung, Salzburg), Dani Landolf (Geschäftsführer Schweizer Buchhändler und Verlegerverband, Zürich) sowie Michael Naumann (Gründungsdirektor Barenboim-Said-Akademie, Berlin).

07.02.2018
  • Jetzt „schweigen“ von Eugen Gomringer
  • Der Kampf um die Gedichte von Eugen Gomringer sowie den Begriff um die „Freiheit der Kunst“ geht weiter: So hat sich die Präsidentin der Berliner Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, „mehr als besorgt über den von kunstfernen Begriffen geprägten Diskurs, der um das Gedicht ‚ciudad (avenidas)’ ihres Mitglieds Eugen Gomringer entstanden ist", geäußert und angekündigt, dass dessen Gedicht „schweigen“ zukünftig an der Fassade der Akademie angebracht und folglich den öffentlichen Raum mitgestalten wird. Auch der Stadtrat des oberfränkischen Rehau, in dem Eugen Gomringer zu Hause ist, hat indes beschlossen, das umstrittene und demnächst von der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin entfernte Gedicht im spanischen Original an einer Hauswand eines städtischen Gebäudes aufmalen zu lassen.

    Zumindest der Vorwurf des Sexismus wird gegen „schweigen“ nur schwer erhoben werden können, existiert das Gedicht in bester Tradition der konkreten Poesie doch ausschließlich durch ein Wort in dieser speziellen Anordnung.

06.02.2018
  • Eifel-Literatur-Festival: Qualität in der Provinz
  • 1994 gegründet, hat sich das biennial stattfindende Eifel-Literatur-Festival lange vor jeder Eventisierung im Literaturbetrieb zu einer der beliebtesten Leseveranstaltungen in der deutschen Provinz und wesentlicher Faktor zur kulturellen Lebensqualität am Land entwickelt. Für die Ausgabe 2018, die am 6. April mit Sebastian Fitzek im Eventum Wittlich startet und mit 24 Leseveranstaltungen bis in den Oktober reicht, werden insgesamt rund 14.000 Besucherinnen und Besucher erwartet, über die Hälfte der Tickets sind im Vorverkauf bereits vergeben. Eines der Highlights 2018 ist der Auftritt der Literatur-Nobelpreisträgerin von 2015 Swetlana Alexijewitsch, die am 20. April in Bitburg aus „Secondhand Zeit“ (Suhrkamp) lesen wird.

    Alle weiteren Informationen und das vollständige Programm des nach wie vor ehrenamtlich organisierten Events können hier heruntergeladen werden.

05.02.2018
  • Edith Kneifl erhält den Ehrenglauser
  • 1992 erhielt sie als erste Österreicherin den Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres, 25 Jahre später wird das Gesamt-Œuvre von Edith Kneifl mit dem „Ehrenglauser“ gewürdigt. Die heute in Wien lebende Schriftstellerin wurde 1954 in Wels geboren, zuletzt erschien im Haymon Verlag „Der Tod liebt die Oper: Ein historischer Wien-Krimi“. Verliehen wird der Preis im Rahmen der Criminale 2018 in Halle an der Saale.

    Aus der Jurybegründung des Syndikats (Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur): „Seit ihrem ersten Roman ‚Zwischen zwei Nächten’ (1991, Friedrich Glauser-Preis für den besten Roman) legte die Grande Dame der österreichischen Krimiszene ein beeindruckendes Oeuvre mit 22 Romanen, rund 100 Krimigeschichten, der Herausgeberschaft von 16 Anthologien uvm. vor, das sich zum großen Teil den gängigen Krimiusancen verweigerte. Außerdem setzte sich die ehemalige Psychoanalytikerin seit jeher mit lauter Stimme dafür ein, dass der Kriminalroman die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommt.“

02.02.2018
  • Erfolgreiche Literatur in Großbritannien überwiegend weiblich
  • „Autoren sind Kassagift“ titelte die F.A.Z. unlängst etwas laut, doch der Trend in der Verteilung zwischen männlichen und weiblichen Autoren geht zumindest in der britischen Belletristik-Bestsellerliste in eine deutliche Richtung: Denn unter den 10 meistverkauften AutorInnen des Vorjahres befindet sich mit Haruki Murakami auf Platz sechs nur noch ein einziger Mann. Am erfolgreichsten erwies sich lt. britischem Guardian Margaret Atwood mit einem erwirtschafteten Jahresumsatz von drei Millionen Pfund, sehr gut haben sich 2017 im vereinten Königreich auch die Titel von Elena Ferrante, Zadie Smith und Arundhati Roy verkauft.

30.01.2018
  • Das erste Kinderbuch der Friedensnobelpreisträgerin Malala
  • Malala Yousafzai ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten und eine internationale Ikone für das Recht auf Bildung. Als 11-Jährige schreibt Malala auf einem Blog der BBC über die Gewalttaten der Taliban. 2012 fällt sie einem Attentat zum Opfer, das sie nur knapp überlebt. Heute lebt sie mit ihrer Familie in England.

    In ihrem ersten Bilderbuch erzählt sie ihre Geschichte. Als Malala in Pakistan aufwuchs, wünschte sie sich einen magischen Stift, mit dem sie ihre Träume verwirklichen könnte. Doch als sie älter wurde, änderte sich ihre Umgebung. Das Recht, in die Schule zu gehen, wurde ihr verwehrt – weil sie ein Mädchen war. Statt eines magischen Stifts nahm Malala einen richtigen Stift zur Hand und schrieb auf, was sie bedrückte. Menschen aus der ganzen Welt begannen ihre Worte zu lesen.

    Ihr Buch, übersetzt von Elisa Martins, erscheint am 9. Februar 2018 bei NordSüd in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

29.01.2018
  • Wissenschaftsbuch des Jahres – die Entscheidung ist gefallen!
  • Die Siegerbücher in den vier Kategorien:

    Naturwissenschaft/Technik Florian Aigner: Der Zufall, das Universum und du. Die Wissenschaft vom Glück (Brandstätter Verlag)

    Geistes-, Sozial-, Kulturwissenschaft Frank Trentmann: Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute, Übers. v. Klaus-Dieter Schmidt u. Stephan Gebauer-Lippert (DVA Verlag)

    Medizin/Biologie Martin Grunwald: Homo hapticus. Warum wir ohne Tastsinn nicht leben können (Verlag Droemer)

    Junior-Wissen Elena Favilli, Francesca Cavallo: Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen, Übers. v. Birgit Kollmann (Hanser Verlag, ab 12 Jahren)

    Weitere Infos siehe www.wissenschaftsbuch.at

    „Die große Beteiligung zeigt das große Interesse an wissenschaftlichen Themen und am Medium Buch”, so Bildungs- und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann, „mit der Aktion ‚Wissenschaftsbuch des Jahres‘ wollen wir den aktiven Dialog zwischen Wissenschaft und der Öffentlichkeit fördern. Ich gratuliere allen Gewinnerinnen und Gewinnern, deren Bücher auch die Vielfalt der Wissenschaft widerspiegeln, recht herzlich.“

25.01.2018
  • Andrea Wedan für den avj Medienpreis nominiert
  • BUCHKULTUR-Juniorbuchredakteurin Andrea Wedan steht auf der Shortlist für den avj medienpreis 2018. Mit dem Preis zeichnen die Mitgliederverlage der avj hervorragendes journalistisches Engagement im Bereich Kinder- und Jugendbuch/-hörbuch aus. Außerdem nominiert sind Maren Bonacker (Lese- und Literaturpädagogin, freie Journalistin), Roswitha Budeus-Budde (Süddeutsche Zeitung), Katharina Mahrenholtz (NDR Mikado) und Ralf Schweikart (freier Journalist). Der avj medienpreis wird in diesem Jahr zum siebten Mal vergeben, die Preisverleihung findet auf der Leipziger Buchmesse am Freitag, den 16. März 2017, von 12.30 bis 14.00 Uhr im CCL statt.

24.01.2018
  • Eugen Gomringers Gedicht wird übermalen
  • Die Diskussion schwelt schon seit einigen Monaten in den (sozialen) Medien, nun hat der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung in Berlin eine Entscheidung getroffen: Das Gedicht „avenidas“ des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer, das seit 2011 groß an der Fassade der Hochschule angebracht ist, wird übermalen. Zuvor war monatelang zwischen Studierenden, Autoren und der Hochschule darüber gestritten worden, ob die ins Deutsche übersetzte Zeile „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“ des 1951 entstandenen Gedichtes noch in ein zeitgemäßes Frauenbild passen bzw. als repräsentativ für das gendersensibilisierte Selbstverständnis der Hochschule gelten kann.

    Die Entscheidung traf auf erwartungsgemäß gemischte Reaktionen: Der Deutsche Kulturrat, Dachorganisation von 250 Bundeskulturverbänden, reagierte „erschüttert“, das Deutsche PEN-Zentrum warnte vor Zensur. Gomringer selbst kritisiert das Urteil als „Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie“, für Rektor Uwe Bettig ist es hingegen „ein klares Bekenntnis zur Kunst“.

    An Stelle des Gedichts des heute 93-jährigen Gomringers wird mit der Fassadenrenovierung im Herbst 2018 ein Text der aktuellen Preisträgerin des Alice Salomon Poetikpreises, Barbara Köhler, angebracht, in Zukunft soll alle fünf Jahre der Text an der Fassade wechseln. Mit einer Tafel, die „avenidas“ in drei Sprachen abdruckt und die Debatte der letzten Jahre dazu zusammenfasst, soll allerdings auch den Kritikern an der Vorgehensweise der Hochschule entgegen gekommen werden: eigentlich ein tatsächlich salomonisches Urteil also, um möglichst schonend die schwelende Debatte zu Kunst, ihrer Zeitgemäßheit und Freiheit beenden.

23.01.2018
  • Neues Leben für ausrangierte Bücher
  • Dass ausrangierte Bücher auf den Müll landen, ist unschön, aber kommt vor, allein schon aus Platzgründen. Umso erfreulicher ist die Initiative der städtischen Müllabfuhr in der türkischen Hauptstadt Ankara: dort wurde nämlich in einem adaptierten Fabriksgebäude eine Bibliothek mit weggeworfenen Büchern eröffnet. Das Projekt läuft seit knapp sieben Monaten, heute umfasst die Sammlung mehr als 4.700 Bücher. Mittlerweile ist die Bibliothek auch für alle Nutzer zur Ausleihe geöffnet – gratis und rund um die Uhr –, nachdem sie ursprünglich nur für die 700 Müllmänner des Bezirks Cankaya eingerichtet wurde. Und die nächste Ausbaustufe ist bereits in Planung: demnächst soll eine mobile Bücherei aufgebaut werden, mit der die Müllmänner Ankaras alle zwei Wochen Schulen besuchen möchten - da es in diesen oft keine vernünftigen Bibliotheken (mehr) gibt.

22.01.2018
  • Elena Ferrante schreibt ab jetzt regelmäßig für den Guardian
  • Die englische Tageszeitung The Guardian hat ihr Erscheinungsbild auf das handliche Tabloid-Format umgestellt. Für die neugestaltete Wochenendbeilage „The Guardian’s Weekend“ wurde im Zuge dieser Umstellung auch eine prominente, wenn auch anonym zurückgezogen lebende, Kolumnistin verpflichtet: Elena Ferrante schreibt ab jetzt jedes Wochenende über ihre Gedanken zu einer breiten Palette von Themen, darunter Kindheit, Altern, Geschlecht und, wie in ihrem ersten Beitrag, Liebe. Ins Englische übersetzt wird die Kolumne von Ferrantes langjähriger Mitarbeiterin Ann Goldstein. Ihr erster Beitrag vom 20. Jänner kann auf der Website des Guardian gelesen werden.

    Elena Ferrante wurde 2016 vom Time Magazine zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt ernannt, momentan arbeitet sie vor allem am Drehbuch für eine Fernsehadaption vom ersten Band der Neapolitanischen Saga, „Meine geniale Freundin“, für den amerikanischen Sender HBO.

19.01.2018
  • DAS 100. BUCH ZUM HAPPY MEAL
  • Der gesellschaftliche Stellenwert des Lesens lässt sich auch an den Aktivitäten von großen Unternehmen feststellen, die mit Büchern Marketing betreiben: so verteilt das Fast-Food-Unternehmen McDonald’s in Kooperation mit Stiftung Lesen regelmäßig Sonderauflagen erfolgreicher Kinderbücher als kostenlose Beigabe zu speziell für Kinder konzipierten „Happy Meals“. Seit gestern Donnerstag ist nun bei McDonald’s Deutschland der 100. Titel im Rahmen dieser Aktion erhältlich, nämlich Sabine Städings Geschichte um die Apfelbaumhexe Petronella Apfelmus, die bereits in mehreren Bänden im Boje-Verlag erschienen ist.

    Insgesamt mehr als 40 Millionen Bücher wurden in Deutschland seit 2012 auf diese Art und Weise an Kinder und Familien verteilt. Während für Stiftung Lesen die Beschäftigung von Kindern mit Büchern außerhalb der Bildungseinrichtungen vorrangiges Motiv für die Kooperation ist, bleibt zu vermuten, dass für McDonald’s eher die Korrektur eines oft wenig schmeichelhaften Images im Vordergrund der Aktion steht. Positiv ist auf jeden Fall die Resonanz laut einer internen Evaluierung: 86 Prozent aller Eltern von 3– bis 9-Jährigen in Deutschland waren von der Bücher-Aktion überzeugt, 90 Prozent der Kinder gaben an, sich die Bücher auch tatsächlich angesehen zu haben.

18.01.2018
  • German Design Award für Kochbuch von Ottolenghi
  • Bücher sind nicht nur Wissensspeicher, sondern ganz selbstverständlich auch Gestaltungsobjekte: Jetzt hat ein solch hervorragend gestaltetes Kochbuch, „NOPI“ von Yotam Ottolenghi und Ramael Scully (Verlag: Dorling Kindersely), den German Design Award 2018 in der Kategorie „Excellent Communications Design“ gewonnen. NOPI steht für „North of Piccadilly“ und ist der Name des Londoner Restaurants von Starkoch Yotam Ottolenghi, das zu den angesagtesten Restaurants der britischen Hauptstadt zählt.

    Der German Design Award zeichnet innovative Produkte und Projekte, ihre Hersteller und Gestalter aus, die in der deutschen und internationalen Designlandschaft wegweisend sind. Erfreulich, wenn im Rahmen des Awards wie in diesem Jahr innovative Gestaltungskonzepte für Bücher gewürdigt werden!

17.01.2018
  • Neue Schau in Graz mit Fotos von Gerhard Roth
  • Die zweite große Leidenschaft Gerhard Roths neben dem Schreiben von Romanen ist die Fotografie. 1980 wurden erstmals seine Fotografien, begleitend zum Roman „Der Stille Ozean“, im Kulturhaus Graz ausgestellt, nun zeigt das dortige Literaturhaus in Kooperation mit dem Greith Haus die Bilder des Autoren in der Ausstellung „Spuren. Aus den Fotografien von 2007 bis 2017.“

    Eröffnet wird am 18. Jänner um 19 Uhr mit einer Einführung von Künstler Emil Gruber, anschließend diskutiert Daniela Bartens mit Gerhard Roth über seine Leidenschaft für die Fotografie. Kuratiert wurde die Schau der digitalen Fotos, die die Mikrostrukturen des Lebens erforschen, von Martin Behr.

    Die Ausstellung selbst läuft vom 19. Jänner bis zum 8. März 2018, Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag 16 bis 19 Uhr, sowie Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Eintritt fre

16.01.2018
  • "Das Büro" in Endlosschleife
  • Fortsetzungsroman einmal anders: Der deutsche Verbrecher Verlag hat in den letzten Jahren nach und nach alle sieben Bände des Romanzyklus „Das Büro“ von J.J. Voskuil veröffentlicht, der in den Niederlanden mit seiner zeitlos absurden Komik über die Vorgänge hinter den Bürotüren eines wissenschaftlichen Instituts Kultstatus erlangt hat. Nun wagt der Autor und ehemalige WDR-Programmleiter Wolfgang Schiffer ein Experiment in Lindenstraßeschen Ausmaßen: Ab dem 27. Januar liest er jedes letzte Wochenende im Monat im Kölner Kultursalon Freiraum aus den insgesamt mehr als 5.000 Seiten des Bestsellers, vom ersten bis zum letzten Wort. Man kann sich ausrechnen, dass dieses Lese-Projekt über mehrere Jahre andauern wird, so der Zuspruch anhält – es bleibt den Veranstaltern also zu wünschen, dass Wolfgang Schiffer restlos alle Seiten in den kommenden Jahren dem Publikum zu Gehör wird bringen können!

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