11.12.2017
  • Lerninhalte digital oder print: was sagen die Studenten?
  • Spielt es eine Rolle, in welcher Form – elektronisch oder Print – Lerninhalte aufbereitet sind? Naomi S. Baron, Professorin für Linguistik an der American University in Washington DC, ist in lerndidaktischen Studien dieser Frage nachgegangen und hat dabei auch die Eindrücke und Vorlieben der Studenten berücksichtigt. Das Ergebnis: während adaptive Lern-Plattformen, die Selbsttests zum Stand des Lernfortschritts spielerisch abfragen, genauso hervorragend digital funktionieren wie das Zitieren aus Nachschlagewerken, präferieren Studenten bei längeren, zusammenhängenden Texten eindeutig Print: sie sorgen für weniger Ablenkung und unterbinden das für digitale Texte so typische Überfliegen. Dabei stellt die Autorin prinzipiell kritisch fest, dass die derzeit populäre politische Geisteshaltung, wonach digitale Inhalte aus Kostengründen, aber auch als genereller Zukunftsmarkt, Printinhalten vorzuziehen sei, auf keinen empirischen Untersuchungen zu Lernerfolg und geeigneter Inhaltsvermittlung basiert.

    Das ganze Interview von Kornelia Holzhausen mit Naomi S. Baron ist im digital publishing report, als Digitalmagazin gratis anforderbar unter info@digital-publishing-report.de, nachzulesen.

07.12.2017
  • CRESPO-Foundation verleiht Literaturpreis
  • Die Crespo-Foundation hat es sich laut Eigendefinition zum Ziel gemacht, „Menschen an einem entscheidenden Punkt ihrer Persönlichkeitsentwicklung“ zu unterstützen. Dazu gehört auch die Literaturförderung: Für das selbst bei Literaturpreisen sehr hohe Preisgeld von 35.000 Euro wurde der Wettbewerb Wortmeldungen ausgeschrieben. Ausgezeichnet sollen Texte werden, die sich „in ästhetisch und inhaltlich herausragender Weise mit gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen“. Die Jurymitglieder, u.a. die FAZ-Literaturkritikerin Sandra Kegel, die österreichische Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl oder der Schweizer Literaturwissenschaftler Thomas Strässle, haben sich als erste Preisträgerin auf die 42-jährige österreichische Schriftstellerin Petra Piuk verständigt, die mit einem Auszug aus ihrem aktuellen Roman „Toni und Moni“ (Kremayr & Scheriau) gekonnt die subtil wirkenden Mechanismen von Machtmissbrauch und Sexismus durchleuchtet. Wir gratulieren!

    Link

06.12.2017
  • BuchQuartier 2017: die Wiener Messe der unabhängigen Verlage mit kleinem Jubiläum
  • An diesem Wochenende steht das Wiener MuseumsQuartier wieder im Zeichen der Bücher: Zum bereits 5. Mal findet das BuchQuartier statt, das sich als Messe der kleinen und unabhängigen Verlage im deutschsprachigen Raum versteht. Knapp 100 dieser Verlage werden auf über 1.000 Quadratmetern ihre Neuerscheinungen und den Backstock präsentieren, auf der Lesebühne halten Verlage, Autoren und Autorinnen an beiden Tagen rund um die Uhr Lesungen und Veranstaltungen ab, unter anderem FM4-Ombudsmann Hosea Ratschiller am Sonntag um 14.20 Uhr, Exil-Literaturpreisträgerin Helena Srubar am Samstag um 14.45 Uhr oder Rechtsanwalt und Neopolitiker Alfred J. Noll am Sonntag um 17.40 Uhr. Das gesamte Programm sowie das Ausstellerverzeichnis können hier aufgerufen werden.

    Auch wir von der Buchkultur sind mit einem eigenen Stand vertreten, wir freuen uns auf Euren bzw. Ihren Besuch!

    Buchquartier

    9. & 10. Dezember 2017, 11 bis 20 Uhr

    MuseumsQuartier

    Ovalhalle/ Arena21/ Freiraum

    Museumsplatz 1, 1070 Wien

    Eintritt frei!

05.12.2017
  • Aktuelle Ausstellungen der Hauptbücherei Wien
  • Morgen Mittwoch, 6.12.2017 startet bei freiem Eintritt die Sonderausstellung mit der Shortlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2018 im Foyer der Hauptbücherei Wien. In den vier Kategorien „Naturwissenschaft/Technik“, „Medizin/Biologie“, „Geistes-/Sozial-/Kulturwissenschaft“ sowie „Junior Wissensbücher“ können die jeweils fünf nominierten Titel ausgiebig begutachtet und gelesen werden. Da die Ermittlung der Preisträger ausschließlich per Publikumsvoting erfolgt, ist es allen Besucherinnen und Besuchern auch gleich direkt vor Ort möglich abzustimmen und automatisch am Gewinnspiel teilzunehmen: Als Hauptpreis winkt wie jedes Jahr das exklusive Wissens-Dinner, zusätzlich werden mehrere Bücherpakete verlost.
    Weitere Informationen unter www.wissenschaftsbuch.at.

    Schon heute Dienstag, den 5.12. eröffnet ebenfalls auf der Hauptbücherei eine Ausstellung der Schönsten Bücher Österreichs, Deutschlands, der Schweiz und der Niederlande 2016 der tga (Typografische Gesellschaft Austria). Dazu findet um 19 Uhr ein Buchgespräch zu Konzeptions- und Gestaltungsfragen bei der Realisierung eines Publikationsprojekts mit den beiden deutschen Gestaltern Fons Hickmann und Sven Lindhorst-Emme statt.

04.12.2017
  • Robert Pfaller präsentiert Erwachsenensprache im Wiener Rabenhof
  • „Literatursalon im Gemeindebau“ nennt das Wiener Rabenhof-Theater im 3. Bezirk seine Programmpunkte mit Literaturbezug. Am 9. Dezember um 20 Uhr ist dazu Philosoph Robert Pfaller zu Gast, der sein neues Werk „Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“ (Verlag S. Fischer) präsentieren wird. Darin nähert sich Pfaller dem Phänomen an, dass der Kampf um die korrekte Bezeichnung und die Rücksicht auf Fragen der Identität alle anderen sozialen und emanzipatorischen Kämpfe überlagert, und dass im öffentlichen Diskurs heute mehr denn je auf Befindlichkeiten Rücksicht genommen wird. Pfaller geht den Ursachen nach, warum Erwachsene heute nicht mehr als solche angesprochen werden möchten, und zeigt mögliche Auswege aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit auf.

01.12.2017
  • „Requiem für Ernst Jandl“ als Hörbuch des Jahres 2017 ausgezeichnet
  • Seit 1997 vergibt der Hessische Rundfunk mit der hr2-Hörbuchbestenliste den Preis für das Hörbuch des Jahres. Beim 20-Jahres-Jubiläum geht nun 2017 der Preis an Friederike Mayröcker für ihr „Requiem für Ernst Jandl“. Die Jury lobt an dem bei speak low erschienenen Sprachwerk das „einzigartig dichte Gewebe aus Klang, Rhythmus und Sprache“ sowie die im spezifisch Wiener Tonfall gehaltene Totenklage Mayröckers „als leidenschaftliche, aber unsentimentale Hymne auf eine große Liebe“. Die Musik von Lesch Schmidt mit einem Ensemble aus Klavier, Geige, Kontrabass, Tuba, Flöte, Saxophon und Schlagzeug sowie die „ruhig-raue“ Stimme von Dagmar Manzel als zweiter Vortragenden setzen dabei in Kombination die zusätzlich passenden Akzente. Die Preisverleihung zum Hörbuch des Jahres wird am 6. März 2018 im WDR-Funkhaus in Köln zusammen mit der Auszeichnung zum Deutschen Hörbuchpreis stattfinden.

30.11.2017
  • Titel von Amazon Publishing nun im stationären Buchhandel erhältlich
  • 2014 ist Amazon Publishing im deutschsprachigen Raum gestartet, nun hat das Verlagsimprint des globalen Logistikkonzerns eine wichtige Hürde auf den Weg in die Buchhandlungen genommen: durch eine Kooperation mit dem großen Buchhandels-Distributor KNV ist ab jetzt jeder Titel der Amazon-Hausmarken Edition M, Tinte & Feder, Montlake Romance und 47North für stationäre Buchhandlungen zumindest bestell- und lieferbar. Die Verfügbarkeit der Verlagsveröffentlichungen außerhalb der Amazon-Plattformen war bisher die große Schwäche bei den Expansionsplänen des Online-Giganten. Inwieweit diese Kooperation den erwünschten Erfolg bei der Verankerung der derzeit ca. 800 erhältlichen Titel in den klassischen Vertriebswegen des Buchhandels mit sich bringt, ist jedoch umstritten: In den USA boykottiert eine Vielzahl von Buchhandlungsketten die Bücher des Imprints, und auch im deutschsprachigen Raum wurde bereits deutliche Kritik an der Zusammenarbeit mit KNV laut. So wollen sich Thalia, Osiander und die Mayersche weigern, Titel von Amazon Publishing auf Lager zu halten und weisen dabei vor allem auf die Monopolbestrebungen des Konzerns im boomenden, die KNV-Kooperation allerdings (noch) nicht betreffenden Self Publishing-Segment hin, in dem er in unmittelbarer Konkurrenz zur – vom stationären Buchhandel breit unterstützten – Tolino-Allianz steht. Einen aus Kundensicht jedoch viel relevanteren Aspekt stellt die Tatsache dar, dass Amazon durch globale Steuervermeidungskonstruktionen nach wie vor den Wettbewerb legal zu seinen Gunsten verzerrt und damit den wirtschaftlichen Druck auf regional verankerte, hier abgabenpflichtige Betriebe deutlich erhöht.

29.11.2017
  • Büchereien in Northamptonshire fallen Einsparungen zum Opfer
  • Mindestens 21 der 36 öffentlichen Büchereien im englischen County Northamptonshire sollen aufgrund von Budgetkürzungen geschlossen werden. Nun regt sich Widerstand gegen diesen Kahlschlag der öffentlichen Infrastruktur: Unterschriftenlisten und Petitionen wurden gestartet, die Opposition setzt das Thema auf ihre Agenda, und der Autor Alan Moore, der Northamptonshire letztes Jahr mit seinem Roman „Jerusalem“ ein Denkmal gesetzt hat, bezieht im „Northampton Chronicle“ öffentlich Stellung: Sie (die Tories, Anm. der Redaktion) haben es geschafft, einen Großteil der Stadt in einen postapokalyptischen Katastrophenfilm zu verwandeln, und sie haben es geschafft, dass Upper Mounts (Straßenzug in Northampton, Anm.) wie Sarajevo in den 1990er-Jahren aussieht; wie kann es dann darüber hinaus auch noch möglich sein, dass sie den einzigen Zugang, der vielen Leuten zum Bildungserwerb noch bleibt, verschließen?... Als ich aufwuchs, gab es kaum Bücher in unserem Haus, aber es gab immer die Bücherei. Sie war die eine, von mir ins Herz geschlossene Institution, die mich zu dem machte, was ich bin.“

    Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin zur Rettung der betroffenen Brackley library weist auch auf ein weiteres Problem der Schließungen hin: durch die bereits – ebenfalls aufgrund von Sparmaßnahmen – erfolgte Ausdünnung des öffentlichen Verkehrsnetzes wird es vielen Kranken und sozial Schwachen in Zukunft nicht mehr möglich sein, eine der verbleibenden 8 bzw. 15 (je nach Entschluss) Büchereien zu erreichen. So entsteht ein Teufelskreis aus sinkenden Staatsausgaben, Ausdünnung öffentlicher Dienstleistungen und damit einhergehend Verlust von gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten, der stellvertretend für die Auswirkungen der derzeit verfolgten Austeritätspolitik vieler hochentwickelter Nationen steht.

    Mehr Informationen finden Sie im „Guardian“ hier.

28.11.2017
  • Hans-Weigel-Literaturstipendium an Nils Jensen
  • Wir freuen uns mit Nils Jensen!

    Der Buchkultur-Mitbegründer und -herausgeber wurde vom Land Niederösterreich mit dem Hans Weigel-Literaturstipendium ausgezeichnet. Der Preis wird seit dem Jahr 1991 jährlich an zwei Autoren bzw. Autorinnen verliehen, die mit einer Fördersumme von je 12.000 Euro eine finanzielle Grundlage zur Fertigstellung eines eigenen literarischen Werks erhalten. Nils Jensen ist darüber hinaus Vorstandsmitglied der IG Autorinnen Autoren, der Grazer Autorinnen Autorenversammlung und des Literaturkreises Podium, und seit vielen Jahren als Autor, Publizist, Übersetzer und Herausgeber tätig, u.a. auch für die Reihe Neue Lyrik aus Österreich. In den 1990er-Jahren saß Nils Jensen auch in der Jury zum Ingeborg-Bachmann-Preis.

    Das zweite Hans Weigel-Stipendium wurde an Mario Schlembach verliehen, der im Frühjahr 2017 mit „Dichtersgattin“ sein Romandebüt veröffentlichte. Auch ihm gratulieren wir herzlich!

27.11.2017
  • Heftige Kritik an den Sparplänen der oberösterreichischen Landesregierung
  • Die Pläne der oberösterreichischen Landesregierung, die Literaturförderung des Bundeslandes für das Jahr 2018 um ein Drittel zu kürzen, stoßen bei den betroffenen Institutionen und Autor/innen erwartungsgemäß auf heftige Kritik. Mit einem offenen Brief von Rudolf Habringer, Walter Kohl, Dominika Meindl und Kurt Mitterndorfer weisen die Schriftsteller/innen stellvertretend auf die fatalen Auswirkungen des Regierungsvorhabens hin: „Von allen Sparten betreffen Ihre Kürzungen uns Schreibende, Lesende, Forschende am härtesten. Warum? Das Land Oberösterreich streicht die ohnehin spärliche Literaturförderung (0,1 Prozent des gesamten Kulturbudgets) noch einmal um 34 Prozent. Dazu kommen heftige finanzielle Ausfälle aus anderen Bereichen, wenn sich etwa Kulturinitiativen und Gemeinden keine Lesungen mehr leisten können. Hat es schon bisher kaum jemand geschafft, ausschließlich vom Schreiben zu leben, stehen die Chancen nun bei null (...) Das sind keine Kürzungen, das ist ein Kahlschlag“, heißt es in dem heute veröffentlichten Schreiben an Landeshauptmann Thomas Stelzer.

    Aufgrund der unlängst publik gewordenen Pläne der oberösterreichischen Landesregierung, teils empfindliche Kürzungen im zeitgenössischen Kultur- und vor allem Literaturbereich vorzunehmen, stehen viele Vereine und Kulturinitiativen des Landes, darunter auch traditionsreiche jugendkulturelle Institutionen wie die Veranstaltungsorte KAPU in Linz oder das Röda in Steyr, vor dem Aus.

24.11.2017
  • Rumänien Gastland auf der Leipziger Buchmesse 2018
  • Im deutschsprachigen Raum kennt man bisher vielleicht Herta Müller, Norman Manea oder Mircea Cărtărescu – mit dem Schwerpunktauftritt Rumäniens bei der Leipziger Buchmesse 2018 sollen nun auch weitere Autorinnen und Autoren des Landes ins Bewusstsein der Leserschaft gerückt werden. Das Land präsentiert dabei nicht weniger als 30 Neuübersetzungen ins Deutsche und wird auch ebenso viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller zur größten Frühjahrsbuchmesse nach Deutschland bringen: So stellt der französisch-rumänische Autor Matei Visniec sein Werk „Theater“ vor und Varujan Vosganian das „Buch des Flüsterns“. Bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt sind die aktuellen Bücher der Journalistin Gabriela Adamesteanu und von Stefan Agopian, die ebenfalls die rumänische Gegenwartsliteratur in Leipzig repräsentieren werden. Junge, noch zu entdeckende Literaten wie Catalin Dorian Florescu (Leseprobe auf www.buchkultur.net), Florin Lăzărescu oder Doina Ruști runden den Gastlandauftritt des Landes ab, der im Jahr 2018 mit dem 100. Jahrestag der Staatsgründung Rumäniens zusammenfällt.

23.11.2017
  • Literatur im Herbst: im Zeichen der „Dialektik der Befreiung“
  • Die diesjährige Literatur im Herbst, die von 24. bis 26.11. an verschiedenen Orten in Wien stattfindet, knüpft in Titel und Programmatik an den vor genau 50 Jahren in London abgehaltenen Kongress „Dialektik der Befreiung“ an. Die Eröffnungsrede von Essayist und Regisseur Milo Rau zeichnet ein unbehagliches Porträt der Gegenwart, die sich durch fragwürdige moralische Zuspitzungen und eine daueralarmisierte Gesellschaft äußert: „Wir haben das Gefühl, immer mehr zu wissen und immer schneller zu handeln – in Wahrheit findet aber eine Einschränkung, fast Lähmung unserer Entschlussfähigkeit statt. Wie Teenager sitzen wir unbeweglich und lethargisch in unseren Zimmerchen, in unseren Köpfen aber rasen die Gedanken. Die technische Entwicklung hat unseren Willen gelähmt und unsere seelischen und sozialen Algorithmen völlig ins Ungleichgewicht gebracht. Es ist, als würden wir von den technischen Apparaten in einer totalen Gegenwart festgehalten, während wir in den Untergang rutschen.“ Dazu finden im Rahmen des Festivals sogenannte programmatische „Kanzelreden“ statt, bei denen politische und philosophische Buchpublikationen von u.a. Katja Diefenbach, Felix Ensslin oder Thomas Seibert als Grundlage für darauf aufbauende Debatten fungieren; Nora Bossong, Colson Whitehead sowie Maurizio Torchio u.v.a. stellen darüber hinaus neue Romane vor, in denen die aktuellen zeitgeschichtlichen Ambivalenzen thematisiert werden. Eine kommentierte Neuauflage des Sammelbandes „Dialektik der Befreiung“ rundet das Festival ab und setzt die Referate des Londoner Kongresses, unter anderem Herbert Marcuses „Befreiung von der Überflussgesellschaft“, in den Kontext der aktuellen Debatten. Genaues Programm, Termine und Veranstaltungsorte zur Literatur im Herbst können hier aufgerufen werden.

22.11.2017
  • Die neue Gelassenheit: Buchpreise ohne Centbeträge
  • In der Woche von Cyber Monday bis Black Friday, der Rabattschlachten im Handel, verstärkt sich im Buchhandel ein bemerkenswerter Trend: immer mehr Verlage verzichten bei der Preisgestaltung auf psychologische Kaufanreize mittels 90 bzw. 99 Cent-Endungen und setzen den Endverkaufspreis bei geraden Eurobeträgen ohne Centrabatt fest. Ab 1. Jänner 2018 wird auch der renommierte Kunst- und Design-Verlag Taschen diese Strategie zur Vereinfachung in der Preispolitik verfolgen, bisher haben u.a. bereits Bastei Lübbe, DuMont, Gmeiner, Oetinger und das Literaturprogramm von S. Fischer umgestellt. Durch die Buchpreisbindung, die in Österreich und Deutschland gesetzlich verankert ist, ist übrigens auch festgelegt, dass alle Buchverkaufsstellen, egal ob die lokale Buchhandlung ums Eck oder der globale Handelskonzern im Web, diese von den Verlagen festgesetzten Preise nicht unterbieten darf. Sie können also auch am Black Friday, ganz unbekümmert von Schnäppchenangeboten und Rabattmarken in fast allen anderen Branchen, ihre Bücher dort kaufen, wo Sie es am liebsten tun, ohne Preise vergleichen zu müssen.

20.11.2017
  • E-Books: Absatz steigt, Umsatz sinkt
  • Die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels veröffentlichten Zahlen zum E-Book-Markt für die ersten drei Quartale 2017 prolongieren den Trend des letzten Jahres: es werden zwar mehr E-Books verkauft – in Deutschland immerhin 20,5 Mio. innerhalb des angegebenen Zeitraums – der Durchschnittpreis sank dabei jedoch auf 6,29 Euro, ein Minus von 6,1 %. Insgesamt ergibt sich daraus ein Umsatzminus von 4,6 % gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der E-Book-Käufer sinkt: Gaben 2016 noch 3,3 Mio. Menschen in Deutschland an, E-Books käuflich zu erwerben, so taten dies in den ersten neun Monaten 2017 nur noch 3,1 Mio. Da gleichzeitig aber auch die Kaufintensität gestiegen ist – die verbliebenen E-Book-Käufer kaufen im Schnitt um 10,4 % mehr digitale Bücher –, lassen sich folgende Schlüsse aus diesen Zahlen ziehen:

    - Der Marktanteil von E-Books pendelt sich im deutschsprachigen Raum bei ca. 5% ein.
    - E-Books sind aufgrund ihrer Verfügbarkeit und des niederschwelligen Zugangs zur Veröffentlichung (v.a. durch Self-Publishing) einem starken Preisdruck ausgesetzt.
    - Der Markt an Käufern, die E-Books den Vorzug zu gedruckten Büchern geben, scheint vorerst ausgereizt zu sein, stabilisiert sich jedoch zusehends.

    Erhoben wurden die Zahlen von GfK Entertainment aus einem repräsentativen Kosumentenpanel von 25.000 Personen. Schul- und Fachbücher sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Inwiefern Studien wie die vorliegende den Gesamtmarkt realistisch abbilden, ist in der Buchbranche immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Eine Studie zum gleichen Thema aus Großbritannien und den USA, die bei anderer Erhebungsweise zu tendenziell ähnlichen Ergebnissen kam, wird z.B. vom Journalisten und Publisher Jan Tißler hier kritisch hinterfragt.

17.11.2017
  • Gedichte für das digitale Zeitalter
  • Wer wissen möchte, was das Missing Link zwischen dem Programmieren von Computercode und literarischen Ausdrucksformen sein könnte, ist beim Vienna Code Poetry Slam bestens aufgehoben. Von Gedichten, die in Pseudoprogrammiersprachen verfasst sind bis hin zu Shell Scripts, die den Rechner zum Poeten verwandeln – die Aktivitäten der „Dichter für das digitale Zeitalter“ verstehen sich als Schnittstelle und Verschmelzung von Literatur und Technik.

    Am Montag, den 20. November, findet im Rahmen des 1. Festivals für Digitale Poesie um 19.30 Uhr die Preisverleihung im Kontaktraum der TU Wien statt, u.a. mit einer Ausstellung zu den gelungensten Haikus bzw. Senryūs zum Thema und Performances von Jörg Piringer, Zuzana Husárová und Fabian Faltin. Anmeldungen für diesen Abend im Zeichen der literarischen Mensch-Maschine sind noch möglich unter contact@codepoetry.at.

    Weitere Informationen können hier abgerufen werden.

16.11.2017
  • 68. National Book Awards vergeben
  • In New York wurden gestern Abend zum 68. Mal die National Book Awards vergeben. Journalistin Masha Gessen wurde für „The Future Is History: How Totalitarianism Reclaimed Russia“ (Riverhead Books) mit dem Preis für das beste Sachbuch ausgezeichnet, Jesmyn Ward erhielt für „Sing, Unburied, Sing“ (Bloomsbury Publishing) den Preis in der Kategorie Belletristik. In der Übersetzung von Ulrike Becker erscheint Wards Geschichte um die Hoffnungen und Dämonen minder privilegierter US-Amerikaner übrigens als „Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ am 14. Februar 2018 bei Antje Kunstmann. Weitere Auszeichnungen gingen an Frank Bidart mit „Half-light: Collected Poems 1965-2016“ (Farrar, Straus and Giroux) in der Kategorie Lyrik sowie an Robin Benway für „Far From the Tree“ (HarperTeen) als bestes Kinderbuch. Bill Clinton überreichte zudem an Richard Robinson, den langjährigen Präsidenten und CEO des Schul und Kinderbuchverlags Scholastic, den Preis für sein Lebenswerk. Scholastic war weltweit vor allem durch die Veröffentlichung der Harry Potter-Reihe bekannt geworden.

15.11.2017
  • Writers in Prison Day
  • Der heutige 15. November ist „Writers in Prison Day“. An diesem Tag macht die internationale Schriftstellervereinigung PEN mit fünf ausgewählten Fällen auf das Schicksal von Menschen aufmerksam, die für das von ihnen wahrgenommene Recht der freien Meinungsäußerung verfolgt, inhaftiert und sogar getötet werden.

    Unter den heuer ausgewählten Verfolgten befindet sich u.a. Ramón Esono Ebalé, alias Jamón y Queso, ein Karikaturist aus Äquitorialguinea, der satirisch wiederholt auf soziale Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen durch den Staat aufmerksam gemacht hat. Beim Versuch, ein neues Ausweisdokument für den dauerhaften Umzug nach Paraguay zu erhalten, wurde er am 16. September 2017 verhaftet. Nun wird wegen angeblicher Geldwäsche und Falschgeld gegen den Zeichner ermittelt. Seit vier Jahren unauffindbar ist die syrische Menschenrechtsanwältin, Bloggerin und Schriftstellerin Razan Zaitouneh. Aufgrund ihres unerschrockenen Einsatzes als Aktivistin und Journalistin gegen Menschenrechtsverletzungen der verschiedenen Kriegsparteien wurde sie am 9. Dezember 2013 mit ihrem Ehemann und zwei Kollegen von einem Trupp bewaffneter Männer entführt. Seither gilt Zaitouneh als vermisst. Vermutet wird, dass eine islamische Gruppierung die Autorin in der syrischen Stadt Duma nach wie vor gefangen hält.

    Weitere Informationen zum „Writers in Prison Day“ und die Geschichten betroffener Aktivisten können hier aufgerufen werden.

14.11.2017
  • KIKA-Serie mit Drehbuch von Andreas Steinhöfel demnächst auf Sendung
  • Seine Bücher „Die Mitte der Welt“ und „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (beide Carlsen Verlag) wurden mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Nun kommt die erste Serie, für die Andreas Steinhöfel das Drehbuch geschrieben hat, ins Fernsehen: „Dschermeni“ erzählt ab 27.11. auf KIKA von der engen Freundschaft von vier Kindern verschiedener Nationalitäten und Ethnien, die durch die drohende Abschiebung von zwei der Kids und Kriminalität in den Familien stark belastet wird.

    Andreas Steinhöfel: „Unser Ziel war es, eine berührende Freundschaftsgeschichte zu schreiben, die die komplexe Flüchtlingsthematik konsequent aus einer personalen kindlichen und damit oft entlarvenden Perspektive erzählt. Aus diesem positiven hoffnungsvollen Blickwinkel werden die großen Themen wie Flucht, Trauma, Tod eines Elternteils, Sorge um die illegal agierenden Brüder, Abschiebung eingefangen.“

    Ausstrahlungstermine sind ab dem 27.11. Montag bis Mittwoch, 20.10 Uhr, jeweils in Doppelfolgen.

13.11.2017
  • 10. Schweizer Buchpreis geht an Jonas Lüscher
  • Mit dem Schweizer Buchpreis ist nun auch der letzte der drei deutschsprachigen Länder-Literaturpreise für 2017 vergeben worden: Für seinen ersten Roman „Kraft“ (C.H.Beck), in dem ein deutscher Philosophieprofessor bei der Lösung einer Preisfrage, gestellt von einem Silicon Valley-Investor, am oberflächlichen Tiefgang der Philosophie und der Anpassung des klassischen Wissenskanons an die heutige Welt zu scheitern droht, wurde Jonas Lüscher im Rahmen der BuchBasel mit der zum zehnten Mal vergebenen Auszeichnung und einem Preisgeld von 30.000 Franken bedacht.

    Jonas Lüschers Roman hat bereits im Frühjahr auch die Buchkultur-Redaktion dermaßen beeindruckt, dass wir den Autor für unsere Ausgabe 170 als Coveraufmacher groß ins Bild rückten. Buchkultur-Autor Holger Ehling stellte dabei fest, dass Lüscher mit „seiner auktorialen Erzählhaltung, die gleichzeitig Nähe und Distanz zum Protagonisten ermöglicht, es schafft, komplizierte Dinge so zu erzählen, dass daraus ein hochintelligenter Lesegenuss wird, der an vielen Stellen sogar saukomische Wendungen bereithält.“ Weitere Informationen zum Schweizer Buchpreis und der zehnjährigen Jubiläumsveranstaltung finden Sie in diesem durchaus nicht unamüsanten Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung.

    Herzliche Gratulation!

10.11.2017
  • Colson Whitehead auf Lesetour in Österreich und Deutschland
  • Mit seinem Roman „Underground Railroad“, der die Übel der Sklaverei in den USA des frühen 19. Jahrhunderts und den bald daraus resultierenden Bürgerkrieg als gespenstische Geschichte um Freiheit und ihre Ersehnung thematisierte, gewann er den Pulitzer Prize 2017. Nun kommt der in Brooklyn wohnhafte US-Autor Colson Whitehead auf Lesereise in den deutschsprachigen Raum: Seine Tour beginnt am Sonntag, den 26. November 2017 im Wiener Odeon Theater im Rahmen des Festivals Literatur im Herbst - Dialektik der Befreiung, wofür die Veranstalter Alte Schmiede und die Botschaft der Vereinigten Staaten Ilja Trojanow als Moderator gewinnen konnten. Weitere Stationen sind das Literaturhaus München am 28.11., die Kölner Fritz Thyssen Stiftung am 29.11. sowie das Literaturhaus Stuttgart am 30.11., bevor die Lesereise am 1. Dezember im Freiburger Peterhofkeller ihren Abschluss findet.

    „Underground Railroad“ ist in der deutschen Übersetzung von Nikolaus Stingl im Hanser Verlag erschienen (siehe auch Besprechung in Buchkultur, Ausgabe 174).

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